54559560Über eine haarsträubende Wohnungssuche in Frankfurt am Main
Ein Kumpel und ich suchten vor Kurzem zusammen eine Wohnung. Er ist Student und ich Arbeiter. Sein Elternhaus liegt im Odenwald, das ist einfach zu weit, um jeden Morgen von dort zur Uni zu fahren. Ich wünschte mir schon seit Längerem mehr Unabhängigkeit von meinen Eltern. Es ist schon peinlich, wenn man nach einer langen Nacht im Club seinem Date sagen muss, das man nicht zu mir gehen kann, weil die Eltern da sind.

Wir wussten, dass die Suche nach einer bezahlbaren Wohnung in Frankfurt nicht besonders leicht werden würde (durchschnittlich 15 € pro Quadratmeter Miete), aber was wir alles erlebt haben, hätten wir uns nicht träumen lassen. Wenn man in Frankfurt eine Wohnung sucht, dann ist man nicht alleine. Wir besichtigten oft Wohnungen mit anderen Bewerbern gemeinsam und man weiß irgendwie immer, uns werden die sowieso nicht nehmen. Bei einer Wohnungsbesichtigung kamen wir an, als der Vermieter die Wohnung gerade vergeben hatte und die neuen Mieter verabschiedete. Er führte uns aber in ein anderes Stockwerk: Dort hätte er nämlich auch noch was frei. Wir kamen in einem großen Raum. Scheinbar war der Raum früher einmal zwei Räume gewesen und die Trennwand hatte man herausgerissen. Ich dachte mir nur, hier könnte man glatt Hallenfußball spielen. Solche Raumvereinigungen nutzen Vermieter als Teil von Luxusrenovierungen, damit die Wohnung eher für reiche Singles als kleine Familien oder WGs geeignet ist. Des Weiteren hatte die Wohnung noch zwei kleine Zimmer, von denen eins nicht mal ein Fenster besaß. Eine weitere Tür entdeckte ich im Flur. Wir staunten nicht schlecht, als sich darin eine Treppe befand, die oben im Nichts endete. Die Öffnung, die in den nächsten Stock führen sollte, wurde einfach zugemauert! Auf Nachfrage gab man uns zu verstehen, dass zwei getrennte Wohnungen einfach mehr einbringen würden als ein Einfamilienhaus.

Mit einer WG eine Wohnung zu finden gestaltet sich eh als besonders schwierig. Als ich bei einer Organisation anfragte, die gezielt an junge ArbeiterInnen Wohnungen zu vergleichbar günstigen Preisen vermittelte, stieß ich auf Ablehnung. Schließlich sei mein Kumpel Student, für die gäbe es ja das Studentenwohnheim. Dass im Studentenwohnheim wiederrum ich schlechte Karten hatte, brauche ich eigentlich gar nicht zu erwähnen. Eine Maklerin sagte uns, dass sie WGs nicht vermitteln könnte. Die Vermieter wollten einfach keine WGs sondern junge Pärchen. „Wärt ihr schwul, könnte ich euch die Wohnung geben. Versucht es doch wo anders mal so.“ Am Ende waren wir so verzweifelt, dass wir das sogar tatsächlich ausprobierten. Aber auch so hatten wir auch kein Glück. „Nein, für Schwule ist die Wohnung doch viel zu klein.“

Jetzt wohnen wir beide in getrennten WGs und ich muss im Februar auch schon wieder raus, da ich nur als Zwischenmieter untergekommen bin. Die WG-Plätze haben wir über Freunde aus der Gewerkschaft gefunden. Aber viele Auszubildende, Studierende und Geringverdienende und auch immer mehr „Normalverdienende“ werden auch in Zukunft leer ausgehen. Oft sind Mietpreise einfach nicht bezahlbar. Dabei ist man schon froh, eine Ausbildung erhalten zu haben bzw. ein Studienplatz in seinem Wunschfach belegen zu können. Dabei freuen wir uns auf einen neuen Lebensabschnitt und damit verbinden wir oft den Auszug aus dem Elternhaus, um ein unabhängiges Leben führen zu können. Dabei haben wir nur begrenzt die Wahl, ob wir umziehen wollen oder müssen, weil Ausbildungsplätze meistens nur in Ballungsgebieten existieren. Die Konsequenz daraus ist aus der Stadt zu ziehen bzw. ausziehen, sich gemeinsam mit anderen eine Wohnung zu suchen, was auch nicht jedermanns Sache ist, oder eine Wohnung anzumieten, die menschenunwürdig ist. Viele von uns müssen eine lange Strecke auf sich nehmen, da sie keine bezahlbare Wohnung in der Nähe ihrer Arbeitsstätte finden. Dafür geht neben der Arbeitszeit, die oft Überstunden enthält, noch mehr wertvolle Lebenszeit drauf.

Es ist dringender denn je, den sozialen Wohnungsbau wieder in den Fokus zu rücken. Es ist nicht zu akzeptieren, dass Haushalte mit niedrigem Einkommen verdrängt werden und nur Wohnraum für wenige bleibt, die es sich leisten können. Wir bekommen in unserer Nachbarschaft mit, wie vielen Haushalten Zwangsräumungen drohen nach Mieterhöhungen, die sich viele nicht mehr leisten können. Doch der Widerstand wächst und ist notwendig. Wohnraum sollte allen bezahlbar zur Verfügung stehen und nicht die, die schon genug haben, noch mehr bereichern. Den enormen Profit schlagen daraus Makler, Vermieter und Wohnungsgesellschaften, obwohl Wohnraum einer unserer wichtigsten Grundbedürfnisse ist.