gingold-veranstaltungEs ist ein Freitagabend im November und wir befinden uns im Kulturzentrum „Schlachthof“ in Kassel. Die SDAJ Kassel hat zu einer Veranstaltung mit Silvia Gingold und Ulrich Schneider (Generalsekretär der FIR und Bundessprecher der VVN-BDA) eingeladen. Die knapp 40 Gäste, überwiegend SchülerInnen und junge Auszubildende, sind in einem Halbkreis um die beiden angeordnet. Silvia begrüßt uns und liest abwechselnd mit Ulrich Schneider aus dem Buch ihres Vaters, Peter Gingold.

Peter Gingold war während dem deutschen Faschismus Mitglied des kommunistischen Jugendverbands Deutschlands, musste aber dann nach Frankreich fliehen, wo er bei einer antifaschistischen Zeitung aktiv war. Außerdem war es eine Zeit lang seine Aufgabe z.B. durch Flugblätter, die deutschen Soldaten von der Sinnlosigkeit des Krieges gegen die französischen Brüder zu überzeugen. Durch die Gestapo wurde er gefangen genommen und erlebte schwere Folter, konnte sich aber bei einem spektakulären Fluchtversuch retten. Im August 1944 beteiligte Peter Gingold sich an dem Aufstand zur Befreiung von Paris. Das Ende des zweiten Weltkrieges erlebte er bei Partisanen in Norditalien.

Doch nur, weil der deutsche Faschismus vorbei war, endeten die Repressionen gegen die Familie Gingold nicht. Der Antikommunismus zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der Familie. Dieser Familie wurde zeitweise die deutsche Staatsbürgerschaft, wegen ihrer politischen Tätigkeit entzogen und Silvia Gingold war wegen ihrer politischen Tätigkeit für kommunistische Parteien von einem Berufsverbot bedroht gewesen, welches durch internationale Solidarität verhindert werden konnte.

Ich denke, ich spreche für alle Anwesenden, wenn ich sage, dass keiner erwartet hätte, von einer Lesung so mitgerissen zu werden. Nach Ende der Lesung gibt es noch Fragen und Diskussionsbedarf. Hätte man den Faschismus verhindern können? Wie gefährlich sind rechte Bewegungen heute und wie kann man heute etwas gegen Nazis tun? peter-gingoldDiese Veranstaltung war eine Bereicherung für alle.

Vielen Dank an Silvia und Ulrich für diesen spannenden Abend!