Unsere Bildung ist marode.

Ja, auf der einen Seite unsere Schulgebäude, denn der Sanierungsstau von 144 Millionen Euro an den Kasseler Schulen ist für uns spürbar.

Die Sporthallen sind in einem schlechten Zustand, Naturwissenschaftsräume sind schlecht ausgestattet, die Toiletten sind kaputt und verdreckt, an manchen Schulen gibt es keine Mensa oder Cafeteria, obwohl man oft bis 15 Uhr oder länger in der Schule sein muss und an der OSW und an der Hegelsbergschule hat es dieses Jahr sogar reingeregnet, weil die Dächer kaputt waren.

In Schulgebäuden, wo die Wände anfangen zu schimmeln und es reinregnet, kann man nicht gut lernen!

Trotzdem handelt die Stadt nicht. 2,7 Millionen Euro sind im aktuellen Haushaltsplan für die Sanierung von Kassels Schulen vorgesehen. Kleiner Unterschied zu den 144 Mio. Euro, die man eigentlich bräuchte, um alle Schulen zu sanieren.

Streik in der Schule, Streik in der Fabrik, das ist unsere Antwort auf eure Politik

Aber auch, wenn in unserem Fall die Stadt Kassel für diese krasse Geldsumme von anfälligen Reparaturen verantwortlich ist:

Kaputte Klos, veraltete Technik, und kaputte Dächer sind leider Standard an den Schulen von ganz Deutschland. In fast allen Großstädten der Bundesrepublik müssen Schüler in maroden Gebäuden lernen.

Doch die maroden Gebäude sind nicht das einzige, weswegen die meisten keinen Bock auf Schule haben. Ein großes Problem für uns Schülerinnen und Schüler ist der viel zu hoher Lernstress.

Die Burn-Out Zahlen unter Schülern steigen, fast jeder hat zu wenig Zeit für Hobbys oder Freunde wegen Hausaufgaben, zu langem Unterricht oder weil er Nachhilfe nehmen muss.

Das liegt unter anderem daran, dass viel zu viele Schüler in einer Klasse sitzen. So hat ein Lehrer bei einer Klasse mit 30 Leuten nicht genug Zeit, jedem Schüler zu helfen.

Wer sich den Lernstoff nicht selber beibringen kann und kein Geld für Nachhilfe hat, wird auf einen anderen Schulzweig abgeschoben, anstatt gescheit gefördert zu werden.

Aber jetzt ist doch die Frage: Wie kann es sein, dass ein so reiches Land wie Deutschland dermaßen in der Bildungspolitik versagt?

Uns wird immer gesagt, es sei nicht genug Geld da, um die vielen Probleme unserer Schulen zu lösen. Aber das stimmt nicht. Es wird nur für andere Sachen ausgegeben.

Ein Bereich, in den die Bundesrepublik Deutschland dagegen supergerne investiert, ist zum Beispiel die Rüstung. Allein im Jahr 2016 wurden 35 Milliarden Euro fürs Militär ausgegeben. Das ist mehr, als für Bildung und Gesundheit zusammen!

Doch anstatt diese Ausgabenpolitik mal zu überdenken und mehr Geld für uns Jugendliche zu investieren, soll der Rüstungsetat bis 2024 auf über 60 Milliarden Euro erhöht werden.

Hoch mit der Bildung runter mit der Rüstung

Ein weiterer Bereich, in den der Staat viel Geld steckt, sind die deutschen Konzerne.

Ein gutes Beispiel hierfür ist Siemens. Das Unternehmen erhielt in den letzten 20 Jahren mehr als 1,5 Milliarden Euro Fördermittel aus dem Bundeshaushalt. Mit diesem Geld könnte man allen Schülern in Hessen für 3 Jahre ein kostenloses Mittagessen bezahlen.

Aber auch bei uns in Kassel wird sich ordentlich gegönnt: Eine Rathaussanierung für circa 16 Millionen Euro, einen riesigen Haushaltsüberschuss, also Geld, das die Stadt am Jahresende einnimmt, weil sie weniger ausgegeben hat als geplant, einen Flughafen Kassel Calden, der so gut wie nie benutzt wird, sondern Kassel nur für Unternehmen attraktiver macht. Aber für unsere Schulen ist dann auf einmal kein Geld da.

Der Charakter unseres Schulsystems wird einem schnell klar: Es geht darum, nur so viel Geld für Bildung auszugeben, wie nötig, um uns für den Arbeitsmarkt fit zu machen.

Wir sollen nicht für unser späteres Leben lernen oder nach Spaß oder unseren Interessen. Wir lernen doch nur noch für die Noten, nicht für uns selbst und schon lange nicht mehr mit Spaß!

Nicht nur die Schulgebäude, das komplette Schulsystem ist verdammt marode!

Das alles sind große Probleme, die großen Protest erfordern. Um in ganz Deutschland wirklich was zu verbessern, bräuchten wir einen bundesweiten Protest.

Aber wir sollten mit dem anfangen, was wir hier ändern können: Streiken für die Sanierung der viel zu kaputten Schulen hier in Kassel. Denn von selber werden die Abgeordneten im Rathaus nicht drauf kommen, an unseren Schulen etwas zu verbessern.

Deswegen ist es so wichtig, dass wir heute hier demonstrieren!

Wir wissen nicht, wie die Haushaltsabstimmung heute ausgeht. Vielleicht wird es für ein paar Schulen etwas mehr Geld geben. Aber klar muss sein: Mit diesem Streik darf unser Protest nicht enden.

Dass wir hier heute stehen, ist schon ein großer Erfolg. Aber um langfristig wirklich was zu ändern, müssen wir auch bei der nächsten Haushaltsabstimmung wieder aktiv werden und mehr Geld für Bildung fordern. Denn außer uns tut es keiner!

Auch in unseren SVen müssen wir aufzeigen, warum Geld für Bildung fehlt, dagegen aktiv werden und Dinge für die Interessen der Schüler machen, z.B. gegen zu viele Hausaufgaben oder gegen zu hohe Kosten für Schulmaterialien.

Das heißt: Der Protest muss weitergehen. Gegen die Milliarden von Euro Bundeswehr und Konzernen und für mehr Geld für Bildung!

1,2,3,4 für bessere Bildung kämpfen wir, 5,6,7,8 mit Sanierungsstau wird Schluss gemacht, 9,10 der Widerstand muss weiter gehen.