Angriff auf unsere Rechte

Um die Weihnachtszeit hört man durch die Medien am Rande immer wieder etwas von Streiks bei Amazon. Trotzdem sind die Streikursachen und die damit verbundenen Arbeitsbedingungen kaum Thema in der öffentlichen Debatte. Amazon hat inzwischen 12- Eil- und Klageverfahren vor Gerichten eingereicht, die sich nur darauf beziehen, ob ver.di die KollegenInnen über die Streiks informieren kann. Im erst letzten vergangenen Rechtsfall handelte es sich um die Frage, ob die KollegenInnen auf einen Betriebsparkplatz Streikinformationen verteilen durften. Der Konzern versucht ununterbrochen unser erkämpftes Recht auf Arbeitskampf mit rechtlichen und Mitteln anzugreifen. Am 20. November hat das Bundesarbeitsgericht Amazon in die Schranken gewiesen beim Angriff auf unsere Rechte. Das Urteil betraf den Versuch, Streikposten auf einem Betriebsparkplatz zu verbieten, da Amazon jede Informationsverbreitung zum Arbeitskampf unterbinden möchte. Unsere KollegInnen entscheiden selbst, wie, wo und wann sie streiken und darüber informieren!

Unwürdige Arbeitsbedingungen

Ver.di sowie die KollegenInnen vor Ort und die Eigentümer von Amazon befinden sich seit Jahren in einem Konflikt. Die Eigentümer verweigern den Abschluss eines Tarifvertrags. Die Arbeitsbedingungen sind so unerträglich, dass an manchen Tagen eine Krankenquote von über 20% erreicht wird. Die Arbeitsprozesse sind standardisiert und auf individuelle Gegebenheiten, wie körperliche Unterschiede, wird keine Rücksicht genommen. Die KollegInnen befinden sich unter strikter Überwachung: Jeder Arbeitsschritt und jede Pause werden detailliert aufgezeichnet. Sollte eine Abweichung von den aufgestellten Vorgaben erfolgen, wird gegängelt, mahnende Gespräche geführt und im schlimmsten Falle hat dies Konsequenzen für das Arbeitsverhältnis. Das erhöht den Druck auf die Beschäftigten enorm. Des Weiteren wird man bei Amazon überwiegend befristet angestellt. Folglich ist bei einem Aufbegehren gegen diese Arbeitsbedingungen nicht mit einer Weiterbeschäftigung zu rechnen. Ver.di möchte einen am Einzelhandelstarifvertrag orientierten Tarifvertrag aushandeln. Das würde eine bessere Bezahlung, mehr Urlaub und gesetzlich festgeschriebene Arbeitsbedingungen bedeuten. Die Vertreter von Amazon verweisen darauf, dass sich die Bezahlung an den regional üblichen Löhnen der Logistikbranche orientieren. Diese Beteuerungen ersetzen keinen Tarifvertrag. Die Orientierung an der Logistikbranche heißt schlechtere Bedingungen als im Einzelhandel.

Unternehmensstrategie

Die KollegInnen bei Amazon erwirtschafteten 2017 in Deutschland einen Umsatz von ~17 Milliarden US Dollar. Der deutsche Markt ist für das Unternehmen der zweitgrößte Ländermarkt nach den USA. Insgesamt macht Amazon mehr als 2 Milliarden US Dollar Gewinn. Geld ist genug da, um den KollegInnen gute Arbeitsbedingungen zu ermöglichen. Amazon setzt in umsatzstarken Zeiträumen, wie dem Weihnachtsgeschäfte, auf Saisonarbeiter aus anderen europäischen Ländern. Diese werden in Baracken untergebracht und sind meistens bereit, noch schlechtere Arbeitsbedingungen zu akzeptieren, da sie das Geld für den Unterhalt ihrer Familie unbedingt benötigen. Vor einigen Jahren wurden diese durch Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma überwacht, die offen-faschistisch gesinnte Menschen beschäftigt. Nach einem öffentlichen Aufschrei wurde das Geschäftsverhältnis zum Sicherheitsdienst von Amazon gekündigt. Die Verantwortlichen sitzen trotzdem noch auf ihren Chefposten und man kann davon ausgehen, dass das Menschenbild sich bei ihnen nicht geändert hat. Amazon gilt als modern, fortschrittlich und als Wegbereiter von Zukunftstechnologien. Dieser Deckmantel soll uns darüber hinwegtäuschen, dass wir es hier mit einem imperialistischen Monopolkonzern zu tun haben. Nur die Profite zählen. Um Marktanteile zu gewinnen, hat Amazon über Jahre hinweg – heute auch noch aber leicht verändert -die Strategie verfolgt, viel Umsatz zu erwirtschaften aber auf einen Teil des Gewinns zu verzichten. Folglich wird versucht erst einmal die Konkurrenz zu verdrängen und die Präsenz am Markt zu steigern. Dabei wird entweder ein sehr geringer Gewinn oder in manchen Fällen sogar ein Minusgeschäft in Kauf genommen.

Jeff Bezos, der Eigentümer von Amazon, ist mit seinem Vermögen inzwischen der reichste Mensch der Welt. Mit der Verweigerung eines Tarifvertrags orientiert am Einzelhandel schadet Amazon übrigens allen Beschäftigten, die in Deutschland im Einzelhandel tätig sind. Amazon ist eine große Konkurrenz für den Einzelhandel und verschafft sich so einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Mitbewerbern, die an den Tarifvertrag gebunden sind.

Arbeitskampf in Hessen

In Bad Hersfeld befindet sich eines der wichtigsten Logistikzentren von Amazon in Deutschland. Über 4000 KollegInnen sind am Standort tätig. Im Oktober und am Black Friday organisierte ver.di mehrere Streiks. Weitere Streiks um die Weihnachtszeit herum sind angekündigt. Die Intensität im Konflikt um den Tarifvertrag nimmt zu.

Was können wir tun?

Wir können in unseren Betriebsräten, Jugend-und Auszubildendenvertretungen sowie in unseren Gewerkschaften Solidarität organisieren. Solidaritätstransparente- und Fotos aufnehmen und öffentlich verbreiten. Außerdem kann man Solidaritätsfahrten nach Bad Hersfeld organisieren, um die KollegInnen bei Streiks zu unterstützen, indem man zum Beispiel Streikposten übernimmt. Der Hetze gegen die streikenden KollegInnen müssen wir uns überall entgegenstellen und über die unhaltbaren Arbeitsbedingungen bei Amazon informieren. Nur gut gewerkschaftlich-organisierte Strukturen bei Amazon können im Arbeitskampf bessere Arbeitsbedingungen durchsetzen. Schenken wird Amazon den KollegenInnen von alleine nichts.