Über 15.000 Demonstranten gehen gegen Nazis auf die Straße

Am 20. Juli versammelten sich in Kassel 15.000 Demonstrantinnen und Demonstranten in Form mehrerer Gegenaktionen als Reaktion auf eine Kundgebung der Partei „die Rechte“.
Deren Vorsitzender, Sascha Krolzig, gab das Stattfinden ebendieser am 5. Juli bekannt. Anlass war die angebliche „Pressehetze gegen die rechte Szene“, da nach dem Mord an Walter Lübcke eine Debatte um die generelle Gewaltbereitschaft und Verstrickung mit dem deutschen Staatsapparat aufbrodelte.

Innerhalb kurzer Zeit formierte sich das Bündnis gegen Rechts, welches die Meinungsverschiedenheiten und ideologischen Differenzen diverser linken Gruppierungen, Gewerkschaften, Kirchen, Geschäfte und Vereine übergehen konnte und so den unbequemen „Touristen“ (schon 2 Tage zuvor waren u. a. im Bergpark viele augenscheinliche Nazis unterwegs) eine ganz klare Botschaft vermitteln: Kassel stellt sich gegen rechte Demagogie!

 

Nachdem sich der Start der Nazidemo um 3 Stunden auf fast 15 Uhr verzögert hatte, da die Autobahnabfahrten und Fernverkehrsstrecken nach Kassel von der Polizei abgeriegelt beziehungsweise kontrolliert wurden, wurden an die 40 Personen durch einen eigens von der Stadt Kassel organisierten Bus der KVG auf den Unterneustädter Kirchplatz, wo der Demozug startete, echauffiert.

Nach eigener Aussage sei dies in Absprache mit der Polizei die deeskalativste Methode gewesen.

Für die Gegendemonstranten gestaltete sich die Anreise jedoch markant schwieriger, da am gesamten Tage nicht ein einziger Bus, nicht eine einzige Straßenbahn der KVG in Betrieb war (außer besagter Shuttleservice).

Um der Polizei die Möglichkeit des Einsatzes von Wasserwerfern offen zu halten, wurden bis 17 Uhr alle Oberleitungen der Stadt stillgelegt. Der Busverkehr konnte wegen der Sperrung zentraler Verkehrsknoten der Innenstadt offenbar in keinem Stadtteil stattfinden.

Unter dem Motto No Pasarán! (Kein Durchkommen!) zog je um 10 und 11 Uhr ein Demonstrationszug vom Kulturbahnhof in Richtung der Nazis, um Kundgebungen auf zentralen, zubringenden Brücken und entlang der Demonstrationsroute abzuhalten. Auch in anderen Teilen der Stadt, wie am Fremdlinge und Flüchtlinge Monument der Dokumenta 14, wurde klar gegen die Faschisten kommuniziert.

Als die Demozüge an ihren Zielorten angekommen waren, fehlte von den Rechten noch lange jede Spur. Man hörte, es seien nur 8 an der Zahl vor Ort, was sich leider mit der Zeit noch auf ca. 120 änderte. Man begegnete dem verzögerten Empfang des Feindes mit antifaschistischen Liedern und lauter Stimme.

Als sie nun losliefen, wurden sie mit jedem Male, mit dem sie an einer Gegenkundgebung vorbei mussten, mit Mittelfinger und Denunzierung empfangen. Dass es nicht zu Ausschreitungen kam, ist dabei sehr gut mit dem immensen Polizeiaufgebot von 1000 Kräften, Pferden, einem Helikopter und weiträumigen Abriegelungen um den Versammlungsplatz und die Route der Nazis zu erklären.

Es gab zwar 3 Festnahmen u. a. wegen Zeigen des Hitlergrußes (Von der Rechten auch als „historischer Gruß“ bezeichnet), jedoch ist es unwahrscheinlich, dass der Täter im unteren Falle ermittelt wird.

 

Es kann gesagt werden, 100:1 ist eine ziemlich bescheidene Bilanz für die bekennenden Rechten der Nation. Doch, sie lassen uns keine Ruh: So hat die Rechte für nächsten Samstag, den 27. Juli, für eine weitere Kundgebung in Hildesheim aufgerufen!

¡No Pasarán! ist eine Parole der Kommunistin Dolores Ibárruri, welche diese im Bezug auf die Franco-Faschisten während des Spanischen Bürgerkrieges formuliert hat.

Nazis demolieren Dacia
Der Wagen stand nicht nur in der Nähe des Aufmarsches, sondern war obendrein noch mit einem „Kein Bier Für Nazis“ Aufkleber versehen.