In diesem Jahr nahmen etwa 900 Menschen am Ostermarsch in Kassel teil. Damit ist der Ostermarsch im Vergleich zu den Jahren davor wieder wesentlich größer geworden. Auch wir von der SDAJ Kassel waren gemeinsam mit dem Offenen Schülertreffen gegen Krieg dabei mit „Stop Wars-Transpis“, gebastelten Friedenstauben, der mobilen Raucherecke gegen Krieg und vielen anderen Demo- Accessoires. Die steigenden Teilnehmerzahlen lassen sich aus der verschärften Kriegsgefahr in Europa durch immer stärkere Aufrüstung gegen Russland erklären, dadurch, dass wir das Leid in den Kriegsgebieten durch die Geflüchteten hier direkter mitbekommen und auch, weil immer mehr Geld für Rüstung ausgegeben wird, während für unsere Belange Geld fehlt. Genau das griff die Schülerin Marie-Luise in ihrer Rede auf dem Ostermarsch auf und gab zugleich einen Überblick über Aktionen gegen Krieg in Kassel:

Jedes Jahr geht die Bundeswehr an hunderte Schulen und Schulveranstaltungen, um dort mehr als 150.000 Schüler zu erreichen und ihnen klar zu machen, wie wichtig es wäre, für sein Land zu kämpfen, und dass die Bundeswehr noch so viel mehr zu bieten habe, als nur Soldat zu werden, dass man bei der Bundeswehr mächtig Karriere und viel Geld machen könne und dass die Bundeswehr ein sicherer Arbeitgeber sei, kurz: Die Bundeswehr geht an Schulen, um Werbung für sich zu machen. Oft spielen dann gut ausgebildete Jugendoffiziere das Spiel „Polis“ (Politik und Sicherheit) mit den Schülern, um die Kriege, die Deutschland aktuell führt, zu legitimieren. In diesem Spiel werden Kriege als notwendig dargestellt.

Dass das alles nicht mehr viel mit objektiver Unterrichtsgestaltung zu tun hat und nebenbei gegen den Beutelsbacher Konsens verstößt, wo festgelegt ist, dass der Unterricht nicht einseitig sein darf und somit nicht von Werbung und Militär beeinflusst werden darf, scheint den tollen Arbeitgeber Bundeswehr nicht zu interessieren, genauso wenig , wie der Verstoß gegen das UN-Kinderrecht, Minderjährige für das Militär anzuwerben.

Ich gehe auf die Jakob-Grimm-Schule und meine Schule ist neben der Hegelsbergschule eine der beiden Schulen in Kassel, denen die Bundeswehr dieses Jahr einen Besuch abstattete. Zwar erschien dieser bei der JGS in Form einer Berufsinformationsmesse für Q2 und Q4 noch legitimer, als an der Mittelstufenschule Hegelsbergschule, wo der Beruf Soldat vor 10 bis 16 Jährigen schöngeredet wurde. Trotzdem will ich der Bundeswehr, die auch im Alltag durch riesige Werbeplakate und ihre eigene YouTube-Serie, wo Soldatsein als ein großes Abenteuer dargestellt wird, schon präsent genug ist, nicht auch noch Werbemöglichkeiten an meiner Schule bieten.

Doch der Staat scheut keine Kosten und Mühen, wenn es um das Bewerben der Bundeswehr geht. Generell fließen Unmengen an Geldern in Aufrüstung und Militär, das dann in Schulen und Jugendzentren fehlt. Allein wenn man sich vor Augen führt, dass im Jahr 2016 mehr Geld für die Bundeswehr ausgegeben wurde, als für Bildung und Gesundheit zusammen, sollte man merken, dass hier Prioritäten gesetzt werden, die nicht im Interesse der Bevölkerung sind. Doch anstatt diese Verteilung des Geldes zu ändern, plant der Staat die Rüstungsausgaben in den nächsten Jahren zu verdoppeln. Es ist offensichtlich, dass es nicht im Interesse von uns Jugendlichen ist, wenn das Militär zwar top ausgerüstet ist und neue Panzer gekauft werden, aber Schwimmbäder und Jugendzentren geschlossen und Lehrerstellen gekürzt werden, der öffentliche Nahverkehr immer schlechter und teurer (wie in der aktuellen Liniennetz-Reform) und an der Bildung gespart wird.

Wir müssen immer mehr Bücher und Schulmaterial selbst bezahlen. Dazu kommen zusätzlich die oft sauteuren Fahrkarten und Extra-Ausgaben wie für Kopiergeld. Wir haben ausgerechnet, dass sich die Kosten, die man jährlich für Lernmaterial, Fahrkarte, Schulessen und Klassenfahrten ausgeben muss, auf etwa 1400 € pro Schüler belaufen, und bei diesem Beispiel sind eventueller Nachhilfeunterricht und Fahrkarten für längere Strecken noch nicht mit einberechnet.
Es herrscht krasser Lehrermangel, wodurch immer Kursangebote in der Oberstufe wegfallen, von veraltetem Lehrmaterial und schlecht ausgestatteten Unterrichtsräumen ganz zu schweigen. Kein Wunder, in allen hessischen Großstädten fehlen jeweils hunderte Millionen Euro für die Sanierung von Schulen. Das sieht man auch in Kassel: Die Naturwissenschaftsräume der Offenen Schule Waldau wurden seit 46 Jahren nicht mehr saniert, was vor allem durch die veralteten Gashähne für die Schüler gefährlich werden kann. Dieser inakzeptable Zustand ist das beste Beispiel für die absurden Prioritäten bei den Ausgaben des Staates.

Um diesen ungerechten und gegen unsere Interessen gerichteten Bedingungen entgegenzuwirken und bessere Konditionen für uns Schüler schaffen zu können, haben wir in Kassel ein offenes Schülertreffen gegründet. Unter dem Motto „Hoch mit der Bildung, runter mit der Rüstung!“ und im Sinne des Friedens schaffen wir Bewusstsein unter unseren Mitschülern und machen gemeinsame Aktionen gegen das penetrante Auftreten der Bundeswehr und die massive Unterfinanzierung im Bildungsbereich.

Vor zwei Wochen erst haben wir eine Veranstaltung mit geflüchteten Jugendlichen aus Afghanistan gemacht, mit denen wir über die Flucht und ihr jetziges Leben in Deutschland geredet haben.

Am 1. September haben wir den Kasseler Rüstungskonzern Krauss- Maffei Wegmann mit einem Straßentheaterstück geoutet. Krauss- Maffei Wegmann liefert Waffen an Saudi Arabien, die an den IS weitergeleitet werden, was allgemein bekannt ist. Aber anscheinend ist dem Kasseler Unternehmen egal, wo die Waffen landen, solange Profit gemacht werden kann.

Auch gegen die Bundeswehr direkt haben wir schon Aktionen unternommen, letzten Mai haben wir auf der Vocatium-Berufsmesse ein Die-In vor dem Bundeswehrstand durchgeführt. Nachdem wir dann von den Security-Leuten rausgeschmissen wurden, haben wir vor den Messehallen weiter Flyer verteilt und uns mit den Schülern unterhalten. Auch als die Bundeswehr an der Jakob-Grimm-Schule war, haben wir vor der Schule einen Infostand organisiert und Flyer verteilt, um mit den Schülern ins Gespräch zu kommen.

Zudem organisieren Schüler des offenen Treffens eine Unterrichtseinheit zum Thema „Krieg und Bundeswehr“ an der Offenen Schule Waldau in der SV. An dieser Schule ist auch ein Aktionstag gegen die Situation der NAWI-Räume geplant. Dabei muss deutlich gemacht werden, dass beides direkt zusammenhängt, viel Geld für die Rüstung bedeutet in dem Fall eben zu wenig Geld für Bildung.

Die aktuellen Kriege sind weder in unserem Interesse noch im Interesse des Friedens oder einer besseren Welt. Die hunderttausenden Geflüchteten sind ein Resultat von Deutschlands Kriegspolitik und machen deutlich, dass die Deutsche Bundeswehr die Lage in den momentanen Kriegsgebieten drastisch verschlechtert, anstatt der dort lebenden Bevölkerung behilflich zu sein. Denn hinter den Kriegen, an denen die BRD momentan beteiligt ist, steckt nicht etwa der Wunsch, den Syrern ein besseres Leben zu ermöglichen, sondern klare wirtschaftliche Interessen. Der gesamte Krieg dort findet statt, weil Deutschland und andere NATO-Staaten Interesse an wirtschaftlichem Einfluss und direkten Rohstoffquellen in Syrien haben.

Während die Bundeswehr dort gegen den „Menschenrechte verachtenden“ Diktator Assad kämpft, werden Partnerschaften mit anderen reaktionäreren Ländern wie Saudi-Arabien eingegangen, wo Frauenrechte und Demokratie so gut wie gar nicht vorhanden sind und inoffiziell Terrororganisationen wie der IS oder die Al-Nusra Front mit Waffenlieferungen unterstützt werden. Der Kampf für Demokratie gegen Assad ist also nichts als Heuchelei, es geht darum, dass Assad nicht nach den wirtschaftlichen Interessen des Westens gehandelt hat. Erst durch die Destabilisierung des Landes, die mit der Kriegspolitik und dem versuchten Regime Change in der ganzen Region einherging, konnten sich solche Terrororganisationen entwickeln. Der Kampf der BRD und der USA richtet sich klar gegen die syrische Regierung, um wirtschaftlichen Einfluss zu gewinnen und Russland diesen zu verwehren, es geht eben nicht primär gegen den IS, mehr noch, teilweise wird sich im gegen Assad sogar mit bewaffneten islamistischen Gruppen verbündet. Die Bundeswehr nützt also niemandem außer den deutschen Konzernen.

Solch eine Politik, die Profite über Menschenleben stellt und durch den Staat dafür sorgt, dass kein Geld für die Bedürfnisse und Belange von Jugendlichen da ist, kann nicht in unserem Sinne sein. Wir fordern den Stopp aller Auslandseinsätze und Rüstungsexporte, außerdem ausreichend Geld für Gesundheit und Bildung, Kultur und Freizeitmöglichkeiten im Interesse der arbeitenden Bevölkerung!
Dafür müssen wir alle selbst aktiv werden, in Gewerkschaften, Schülervertretungen und überall, wo wir der Kriegspolitik etwas entgegen setzen können.

Im März haben sich in der SV aktive Kasseler Schüler und Schülerinnen  getroffen, um über Probleme in unserem aktuellen Bildungssystem zu diskutieren, darüber, was das mit unserem Gesellschaftssystem zu tun hat und wie man im Kleinen in der SV etwas daran ändern kann.

Im Einleitungsreferat, welches Diskussionen beinhaltete, ging es vor allem um die problematisch stark ansteigende Zahl von Burn-Out Zahlen unter Schülern, was eng mit der Selektion je nach Geld und Bildung des Elternhaus, G8 und Bulimie-Lernen zusammenhängt. Es um Chancenungleichheit in unserem Bildungssystem und damit zusammenhängende viel zu hohe Bildungskosten. Auch ohne Nachhilfe sind wir hier beim Rechnen auf mehr als 1000€ pro Schuljahr gekommen, wenn man sich anschaut wie teuer Lektüre, Arbeitshefte, Fahrkarten, Mensaessen, Exkursionen, Heft bis Stift etc. sind.

Doch diese Missstände im Bildungssystem haben natürlich eine Ursache. Nämlich einen Staat, der lieber Geld für Rüstung und Unternehmenssubventionen statt für Bildung ausgibt und ein Schulsystem, dass das Ziel hat uns zu für den Arbeitsmarkt fitte, verwertbare Menschen zu machen statt uns kritisches Denken, die Erkenntnis unserer Interessen und gesellschaftlicher Zusammenhänge zu lehren und uns zu einem allumfassend gebildeten Menschen zu machen, der glücklich wird.

Anschließend haben wir uns in Workshops mit der Problematik von Unterrichtsgestaltung und eben Bildungskosten/Bildungsunterfinanzierung (zu viele marode Schulen, veraltete Lehrmittel etc.) beschäftigt. Warum Bildungskosten/Bildungsunterfinanzierung für Schüler, Eltern und Lehrer schlecht sind und Sven sich dagegen einsetzen sollten, liegt auf der Hand. Das Thema Unterrichtsgestaltung halten wir deswegen für wichtig, weil es sich auf die Chancengleichheit auswirkt. Aber die Unterrichtsgestaltung wirkt sich auch auf Erfolg und Spaß in der Schule aus, was ja auch Leistungsdruck und mögliche Burn-Out Zahlen beeinflusst. Natürlich muss man sagen, dass schlechte Unterrichtsgestaltung nicht ausschließlich Schuld der Lehrkraft ist. Denn Bildungsunterfinanzierung führt zu  großen Klassen und somit ist der Lehrer überlastet und kann nicht individuell auf die Interessen und Fähigkeiten seiner Schüler eingehen. In einem Bildungssystem, wo es um immer mehr Lernstoff und Bulimie-Lernen in viel zu wenig Zeit geht und die Unterrichtsinhalte nicht nach den Interessen von Jugendlichen und ihren Bedürfnissen im späteren Leben ausgerichtet ist, hat es selbst die fähigste Lehrkraft mit dem besten Willen schwer.

Doch natürlich darf man nicht bei den Diskussionen und der Bestandsaufnahme der miserablen Lage in deutschen Klassenzimmern stehen bleiben, sondern muss auch aktiv werden. Neben der täglichen SV-Arbeit, in der wir alle für kleine und größere Verbesserungen kämpfen, wollen wir mit den Ergebnissen und Problematiken des Treffens weiterarbeiten und vielleicht ein stadtweites Projekt mit möglichst vielen Schülern und Sven daraus entwickeln.

Aus Hessen organisieren wir einen Bus dorthin mit folgenden Halten:
Freitag, 13.01.2017, 23:00 Uhr Darmstadt DGB Haus Samstag, 14.01.2017, 0:00 Uhr Frankfurt DGB Haus Samstag, 14.01.2017, 1:00 Uhr Gießen Hauptbahnhof Samstag, 14.01.2017, 3:00 Uhr Kassel HauptbahnhofFür 40€ könnt ihr mit unserem Bus nach Berlin hin- und zurückfahren. Der Bus fährt nach der Demo am Sonntag zurück. Karten für die Konferenz kosten 16€ und beinhalten das Programm, die Party abends und ein Schlafplatz an Sammelunterkünften (z.B. ein Kindergarten oder ein Vereinshaus). Mehr Infos unter: http://www.sdaj-netz.de/lll-wochenende/ Kontakt: info@sdaj-hessen.de

Rassistische Angriffe auf Migranten häufen sich in Deutschland, was die herrschende Politik nicht wahrnimmt. Für die Menschen die fliehen, geht es ums Überleben. Sie fliehen aus Bundeswehr-Kriegseinsatzgebieten weltweit und sagen zu recht: „Wir sind hier, weil ihr unsere Länder zerstört.“ An diesen Kriegseinsätzen profitieren vor allem deutsche Banken und Konzerne. Egal, ob an Waffenliegerungen oder dem staatlich geförderten „Wideraufbau“. Um humanitäre Belange geht es hierbei nicht.

Während Milliarden für Kriegseinsätze und Bankenrettung ausgegeben werden, sind KiTa-Plätze rar, Schulen werden kaputtgespart, öffentlicher Nahverkehr immer teurer und die Zahl von Arbeitslosen in Deutschland ist auch keine Ruhmeszahl. Das Deutschland Krieg führt, ist keine Neuigkeit. Aber auch schon damals, als Deutschland den ersten Weltkrieg angezettelt hat, gab es Menschen die dagegen gekämpft haben. Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg sprachen sich gegen die Kriegskredite aus, als der Großteil der SPD schon auf Kriegskurs war. Mit Streiks und Demonstrationen wurde Widerstand geleistet und für eine Gesellschaft ohne Krieg, Krise und Arbeitslosigkeit gekämpft. Damals wie heute sind Kriege gegen unsere Interessen. Damals musste für die Beendigung des 1. Weltkriegs gekämpft werden und für den 8-Stunden-Tag und ein Frauenwahlrecht, heute müssen wir gegen die Kriegsführung Deutschlands in aller Welt, gegen Leiharbeit und Werkverträge und für bessere Bildung kämpfen.

In Gedenken an Lenin, Liebknecht und Luxemburg setzen wir uns für unsere Interessen und gegen Krieg und Sozialabbau ein. Deswegen fahren wir am 14. Und 15.01. 2017 zum Lenin-Liebknecht-Luxemburg-Wochenende nach Berlin. Am Samstag  haben wir auf der Rosa-Luxemburg-Konferenz der jungen Welt ein eigenes Jugendprogramm mit Workshops zu Aktionen gegen Krieg an Schulen, den aktuellen mangelhaften Integrationsleistungen der Bundesregierung, einem Argumentationstraining gegen Krieg für den Terrorismus und einer Podiumsdiskussion zu dem Thema „Den Rechtsruck stoppen! Wie organisieren wir den Widerstand gegen AFD und Co.?“

Abends ist Party angesagt und am Sonntag wollen wir gemeinsam mit Zehntausenden demonstrieren und sagen: „Stop Wars – Eure Kriege führen wir nicht! Refugees Welcome!“.

Nach der fünftägigen Schulung in den Sommerferien, zu Grundlagen des Marxismus, haben wir uns auf Wunsch der Teilnehmerinnen der letzten Schulung drei Tage lang innerhalb der Herbstferien eingehender mit dem Thema Imperialismus beschäftigt, welches wir im Sommer bereits angerissen hatten.

Es ging darum,  wie die  Wirtschaft sich zur Monopolbildung entwickelt hat, wie sich der Staat dadurch verändert hat und warum wir aktuell in einem fäulenden und parasitären Kapitalismus leben.  Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass die Macht der Monopole und ihre Herausbildung  zu Krieg und Politik gegen unsere Interessen führen.

Das ganze beleuchteten wir mit der Imperialismusschrift von Lenin, aber auch in Hinblick auf aktuelle Entwicklungen und Diskussion darüber, was wir in dem Zusammenhang tagtäglich erleben und was so in der Welt passiert.

Auch dieses mal war mit Ende des eigentlichen Seminartages der Spaß nicht vorbei.

Wie beim Seminar im Sommer trafen wir uns, lernten einander besser kennen und ließen den Tag gemeinsam ausklingen.

Alles in allem waren auch diese drei Tage lehrreich und spaßig. Gut investierte Freizeit also.

„ 45.000 Frauen suchen jährlich Schutz in Frauenhäusern“
„Gewalt gegen Frauen gehört zu jedem Krieg dazu“
„UN und NATO Truppen an Misshandlungen von Frauen beteiligt“
„Häusliche oder sexuelle Gewalt - Jede dritte Frau in Deutschland
betroffen!“
Diese und andere Fakts waren Bestandteil unserer Straßenzeitung zur Aktion gegen 
Gewalt gegen Frauen in Kassel. Wir haben Flyer verteilt, Unterschriften gegen Krieg 
gesammelt und sind dabei mit einigen Passanten ins Gespräch gekommen. 
Denn Krieg beinhaltet auch immer Gewalt gegen Frauen. 

Hier gibt es den Flyer zu lesen: 
http://www.sdaj-netz.de/blog/2016/11/internationale-tag-gegen-gewalt-an-frauen/

gingold-veranstaltungEs ist ein Freitagabend im November und wir befinden uns im Kulturzentrum „Schlachthof“ in Kassel. Die SDAJ Kassel hat zu einer Veranstaltung mit Silvia Gingold und Ulrich Schneider (Generalsekretär der FIR und Bundessprecher der VVN-BDA) eingeladen. Die knapp 40 Gäste, überwiegend SchülerInnen und junge Auszubildende, sind in einem Halbkreis um die beiden angeordnet. Silvia begrüßt uns und liest abwechselnd mit Ulrich Schneider aus dem Buch ihres Vaters, Peter Gingold.

Peter Gingold war während dem deutschen Faschismus Mitglied des kommunistischen Jugendverbands Deutschlands, musste aber dann nach Frankreich fliehen, wo er bei einer antifaschistischen Zeitung aktiv war. Außerdem war es eine Zeit lang seine Aufgabe z.B. durch Flugblätter, die deutschen Soldaten von der Sinnlosigkeit des Krieges gegen die französischen Brüder zu überzeugen. Durch die Gestapo wurde er gefangen genommen und erlebte schwere Folter, konnte sich aber bei einem spektakulären Fluchtversuch retten. Im August 1944 beteiligte Peter Gingold sich an dem Aufstand zur Befreiung von Paris. Das Ende des zweiten Weltkrieges erlebte er bei Partisanen in Norditalien.

Doch nur, weil der deutsche Faschismus vorbei war, endeten die Repressionen gegen die Familie Gingold nicht. Der Antikommunismus zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der Familie. Dieser Familie wurde zeitweise die deutsche Staatsbürgerschaft, wegen ihrer politischen Tätigkeit entzogen und Silvia Gingold war wegen ihrer politischen Tätigkeit für kommunistische Parteien von einem Berufsverbot bedroht gewesen, welches durch internationale Solidarität verhindert werden konnte.

Ich denke, ich spreche für alle Anwesenden, wenn ich sage, dass keiner erwartet hätte, von einer Lesung so mitgerissen zu werden. Nach Ende der Lesung gibt es noch Fragen und Diskussionsbedarf. Hätte man den Faschismus verhindern können? Wie gefährlich sind rechte Bewegungen heute und wie kann man heute etwas gegen Nazis tun? peter-gingoldDiese Veranstaltung war eine Bereicherung für alle.

Vielen Dank an Silvia und Ulrich für diesen spannenden Abend!

Wir von der SDAJ Kassel haben in den Sommerferien 2016 eine fünftägige Schulung mit Mitgliedern und Sympathisanten gemacht.  Wir haben uns in diesen fünf Tagen intensiv mit Fragen wie „Warum ist Krieg nicht in unserem Interesse?“, „Warum nutzt der Krieg den großen Konzernen?“, „Wie viel vom Gewinn landet am Ende dann tatsächlich beim Arbeiter und wie viel beim Chef?“, „Wie entstand die Idee vom Sozialismus und was ist das eigentlich?“ und „Wie können wir unsere Interessen am besten durchsetzen?“ beschäftigt, indem wir Texte zu diesen Themen gelesen haben und das Gelesene in Gruppen diskutiert haben. Außerdem beinhaltete unsere Schulung  einen Vortrag zum Thema „Kuba“ und das dortige Wahl-, Gesellschafts- und Bildungssystem von einem Genossen, der selber  7 Monate auf Kuba war und dort einen guten Einblick in das gesellschaftliche und politische Leben bekommen hat. Es gab verschiedene Referate zu Philosophie, der DDR ,der Geschichte der Arbeiterbewegung etc.  Nachmittags hieß es
chillen, planschen und grillen in der Buga. Wir konnten viele neue Eindrücke gewinnen , über die Durchsetzung unserer Interessen als Schüler in der SV diskutieren, haben uns alle besser kennen gelernt, hatten viel Spaß und wissen jetzt alle ein bisschen mehr.

1-9-16-1Am ersten September fand in Kassel die alljährliche Friedenskundgebung zum Anlass der Überfalls des faschistischen Deutschlands auf Polen.
Das hat Tradition. Die Teilnehmerzahlen stiegen zumindest gefühlt im Vergleich zu den letzten Jahren wieder an.
Anders war auch der Themenschwerpunkt auf Rüstungsexporte vor allem auch aus Kassel. Zum Beispiel durch das Unternehmen Krauss-Maffei-Wegmann. Genau dieses Unternehmen und seine zwielichtigen Geschäfte hat die SDAJ Kassel in einem Straßentheater, welches sie auch am 1. September aufführte, thematisiert.

 

Dieses Theaterstück ging so:
KMW: Werte Damen und Herren, Ich bin der Bonzenboss von Krauss-Maffei-Wegmann. Wir sind ein Unternehmen mit blutiger Tradition und der größte Rüstungsproduzent in Kassel. Wir liefern an viele Länder auf der Welt und machten damit allein 2010 64Milliarden Umsatz durch Rüstungsproduktion. Besonders stolz sind wir auf unsere Leopard-Panzer Reihe. Wir bauen die sichersten Panzermodelle weltweit. Zumindest für die, die drinsitzen.
Schüler: Was ist das eigentlich für ein Gefühl, wenn man Gewinne erzielt durch Tötungswerkzeug?
KMW: So ist die Welt! Mein Interesse ist es, Gewinne zu machen. Und wie du siehst, funktioniert dies mit meinen Panzerlieferungen sehr gut. Dass das anderen Interessen widerspricht, ist nicht mein Problem.
Schüler: Es sterben Menschen durch die Waffen, die Sie produzieren lassen. Aber Geld regiert die Welt der Banken und Konzerne, dabei wird keine Gedanken an die Bevölkerung verschiedener Länder verschwendet. Aber der Staat dürfte doch nicht mitmachen! Warum tut er das? Tut er das wirklich?!
KMW: Komm mit! Ich zeig´s dir!
Minister kommt auf die Bühne:
KMW: Wäre es möglich, dass sie mir den Export unserer Ware nach Katar genehmigen?
Minister: Aber sicher. Minister unterschreibt auf einem Zettel
Schüler: Wieso genehmigen sie das einfach so? KMW ist doch nur auf Gewinne aus und in Katar werden die Waffen zur Unterdrückung, Verletzung und vor allem der Tötung von Menschen verwendet. Mit diesen Exporten unterstüzt man doch die Verletzung der Menschenrechte und unterstüzt Terrororganisationen wie Al Nusra-Front und den IS. freeze
Minister: Es besteht eine Notwendigkeit für Unternehmen, um wenn der eigene Markt voll ist, Absatzmärkte zu schaffen und Handelswege zu sichern. Aus solchen 3. Welt Ländern lässt sich jede Menge Profit schlagen, auch da einige nicht wenige wertvolle Rohstoffe besitzen. unfreeze
Minister und KMW geben sich die Hand, Panzer fährt nach Katar an die Regierung, Regierung an IS, erschießt kleines Kind und Mutter

Schüler: Warum macht denn niemand was dagegen? Man könnte ja fast das Gefühl bekommen, es gehe immer und überall nur um Profit. Was kann ich nur tun?
Friedensaktivist: Du hast richtig erkannt: In deinem Interesse ist das Ganze nicht. Krauss-Maffei-Wegmann will Geld für Rüstung, du willst Geld für Bildung, Schwimmbäder, Jugendzentren und bezahlbaren Nahverkehr. Wenn es um Profit geht, wird über Leichen gegangen. Aber Krieg heißt immer Elend für die betroffenen Menschen, das ist nicht unser Interesse. Organisier dich mit Freunden z.B. im Friedensforum, in Jugendverbänden gegen Krieg oder dem offenen Treffen gegen Krieg in Kassel. Wir müssen davon überzeugen, dass Krieg nur Banken und Konzernen nützt, die Bundeswehr und Kriegspropaganda stören und verhindern wo sie ist. Es muss sich grundlegend etwas ändern in Politik und Wirtschaft. Du kannst dabei sein, du musst anfangen, wenn auch nur im kleinen.

Deine Schule ist zerbombt. Verletzte werden in schmutzigen Zelten behandelt, weil auch die Krankenhäuser unter Beschuss sind. Deine Ausbildung musst du abbrechen. Jeder Schritt auf den Straßen in deiner Heimatstadt ist lebensbedrohlich, weil Krieg herrscht.

Unerträgliche Hitze, Dürre und flächendeckende Umweltverschmutzung lassen jeden Landstrich unfruchtbar und unbewohnbar werden. Du teilst das letzte Brot in mehrere Stücke und nichts bleibt übrig. Wasser wird in kleinen Tropfen geteilt. Hunger und Durst vertreibt Millionen. Nur ein Stück Brot und ein Tropfen Wasser kannst du dir leisten. Bücher, Bildung und Hobbys sind für Kinder und Jugendliche mit kaum Geld und viel Hunger ein knappes Gut. Das steht nicht jedem zu, weil Armut herrscht.

Krieg, Armut,Hunger und Umweltzerstörung. Über 60 Millionen Menschen, die Hälfte davon Kinder, sind weltweit auf der Flucht.

Krieg überall – Was hat das mit Deutschland zu tun?

Syrien, Afghanistan, Irak, Libyen, Somalia, Kongo, Kosovo. In diesen Ländern wird oder wurde jahrelang Krieg geführt. Aus Syrien kommt der größte Teil der Geflüchteten. Seit 2011 herrscht in Syrien Krieg. Organisiert und befeuert wird dieser durch ausländische Regierungen und Geheimdienste. Saudi-Arabien, Kuwait und Katar unterstützen nachweislich Islamisten mit Waffen und Geld. Diese Golfstaaten zählen im Nahen Osten zu den wichtigsten militärischen und wirtschaftlichen Verbündeten westlicher Industrienationen wie z.B. Deutschland. Deutsche Rüstungskonzerne liefern für mehrere Milliarden Euro Panzer, chemische Stoffe und Kriegswaffen. Damit wird die eigene Bevölkerung unterdrückt und z.B. der Islamische Staat beliefert.

IS unterstützen, Macht sichern

Gemeinsame Pipline-Bauvorhaben zwischen Europa und den Golfstaaten sind seit 2011 in Planung. Diese Pipelines sollten eigentlich durch Syrien gehen. Die syrische Regierung weigerte sich und unterschrieb 2011 einen Vertrag mit Russland, der ein Pipeline-Bauvorhaben mit dem Verbündeten Iran durch Syrien und Irak vorsah. Deutschland und die westlichen Industrienationen haben ein Interesse daran die wirtschaftliche Macht Russlands zu schwächen und ihre eigene wirtschaftliche Macht durch diese Pipelines zu stärken. Deswegen ist der Krieg eine willkommene Destabilisierung der Region, um anschließend wirtschaftlich-politische Macht zu erhalten. Die Entstehung, die Interessen und auch der Vormarsch des IS waren den deutschen und US-Geheimdiensten lange bekannt. Sie ließen in zur Destabilisierung bestehen, wie schon in den Medien zugegeben wurde. Außerdem billigt die deutsche Regierung die Unterstützung des IS durch z.B. Saudi-Arabien, um die wichtigsten Öl-Lieferanten nicht zu verlieren. Eine ähnliche Rolle spielt auch der NATO-Partner Türkei, der den IS mit Waffen, Kämpfern und Geld unterstützt.

Geld für Bildung statt für Rüstung!

Seit Dezember 2015 zieht Deutschland mit Militär in den Syrien-Krieg: Ein Kriegsschiff und sechs Jagdbomber „Tornado“, die als Aufklärungsflugzeuge eingesetzt werden. Mit 1200 Soldaten ist das der derzeit größte Bundeswehr-Auslandseinsatz. Betrachten wir uns die oben genannten Herkunftsländer von Flüchtlingen wird schnell klar, dass Kriege eine große Fluchtursache sind. Die sogenannten Interventionen der Bundeswehr und anderer NATO-Staaten hinterlassen verwüstete Länder: Afghanistan, Irak, Libyen, Kosovo etc. und jetzt Syrien. Millionen müssen flüchten, werden ermordet und verletzt. Deutsche Waffen und Panzer destabilisieren weiterhin die Region. Einzig für den Profit aus Öl-, Gas- und Rüstungsgeschäften, allein für politische und wirtschaftliche Machtinteressen der Banken und Konzerne wird Krieg geführt. Anstatt mehrere Milliarden in Rüstung und Kriege zu investieren, könnte man sowohl Hunger und Armut bekämpfen, als auch Bildung für Alle finanzieren – egal ob für flüchtende, migrantische oder deutsche Jugendlichen.

Auch wir waren Ende Juli bei der Demo der LSV Hessen zur Abschaffung von Hausaufgaben.Nicht nur die Landesschülervertretung Hessen, sondern auch wir, fordern die Abschaffung von Hausaufgaben, weil:

  • Bildungschancen hängen stark vom Elternhaus ab:
    Studien haben ergeben, dass der Schulabschluss in Deutschland besonders stark, davon abhängt ob die Eltern studiert haben oder nicht. Ein Kind von Eltern, die nicht studiert haben, muss mehr leisten, um eine Empfehlung für das Gymnasium zu bekommen, als ein Kind von Studierten. Das hat unter anderem damit zu tun, wie gesprochen wird. Gehobene Sprache wird in der Schule gefordert, aber nicht dort gelernt, sondern vorausgesetzt. Durch Hausaufgaben wird die Bildungsungerechtigkeit verschärft. Denn wer sich Nachhilfe leisten kann, wer eine gute Lernumgebung (z.B. ein eigenes Zimmer) zu Hause hat und wo die Eltern nicht den ganzen Tag arbeiten müssen, sondern bei den Hausaufgaben helfen können, bei dem sieht es besser aus als bei anderen. Gerechter wäre es, wenn Hausaufgaben in den Schulalltag bei guter Lernumgebung und (auf Wunsch) Betreuung integriert wäre.
  • Leistungsdruck, Burn-Out und Suizid-Gedanken unter Jugendlichen nehmen zu:
    Viele SchülerInnen sitzen nach dem Schulunterricht viele Stunden an den Hausaufgaben. Trotz gesetzlich zugesichertem Recht auf Freizeit, ist für viele Schüler kein Platz mehr im Alltag für Hobbies, Freunde und Chillen. Dadurch wird auch politischem Engagement von SchülerInnen entgegenwirkt. Auf 60 SchülerInnen kommt laut Schätzungen einE SchülerIn mit Burn-Out. Folgendes hängt zwar nicht nur mit Schulstress zusammen, aber auch: Die Selbstmordrate unter Jugendlichen steigt.
  • Hausaufgaben sind nicht sinnvoll:
    In einem Schweizer Kanton wurde getestet, wie ein Schulalltag ohne Hausaufgaben funktioniert. Die SchülerInnen ohne Hausaufgaben, waren vom Lernstoff genauso weit wie die gleichaltrigen SchülerInnen mit Hausaufgaben, und hatten zudem noch eine viel positivere Einstellung zu Schule und waren motivierter.

 

Deswegen schließen wir uns folgenden Forderungen der Landesschülervertretung an:

  • Individuelle, betreute Lernstunden in den Schulalltag integriert statt Hausaufgaben!
  • Weniger Lernstoff in mehr Zeit!

Wir ,die SDAJ, wollen eine Schule in der gemeinsam gelernt wird und man dazu befähigt wird, die Welt zu erkennen, zu verändern und für seine Interessen zu lernen, statt nur für Prüfungen, Noten und Arbeitsmarkt.