Rede der SV der OSW bei der Kundgebung „Bildung am Boden“ des Bündnis „Unsere Zukunft erkämpfen“:“Schimmelige Wände, stinkende Toiletten, ein undichtes Dach und Naturwissenschaftsräume, die seit 3 Jahrzehnten nicht mehr saniert wurden. So sieht es momentan an der offenen Schule Waldau aus. Die SV hat in der Vergangenheit schon mehrfach versucht, Geld für die Mängel und besonders für die Naturwissenschaftsräume zu erkämpfen. Doch wie man heute sieht, hat das nie funktioniert.  Lehrern und Schülern ist in besagten Räumen kein guter Unterricht mehr möglich. Denn ohne Strom, ohne Material und mit kaputten Abzugshauben kann keine ganze Klasse ordentlich experimentieren. Die SV hat sich aus diesen Gründen entschieden, weiter für mehr Geld zu kämpfen. Vor den Sommerferien haben wir bereits den ersten Schritt getan. Die SV hatte einen Aktionstag vorbereitet an dem unter anderem eine Podiumsdiskussion stattfand. Doch was das allerwichtigste war: Unsere MitschülerInnen haben erkannt, dass es wichtig ist, dass alle mit der SV zusammenarbeiten müssen, um unser Ziel erreichen zu können. Nun muss es weitergehen. Wir haben einige Aktionen geplant und haben uns dem Bildungsbündnis angeschlossen. Wir haben eine starke SV und viele Unterstützer, mit denen wir es hoffentlich schaffen werden.“

Hallo, ich bin Marie-Luise von der Jakob-Grimm-Schule.

Auch meine Schule ist unzufrieden mit der Bildungspolitik der Stadt Kassel. Der Haushaltsplan von unserer Stadt plant nämlich für Investitionen in Gebäudesanierung und Materialerneuerung an der Jakob-Grimm-Schule genau 0€ auszugeben. Zwar ist unsere Schule im Vergleich zur OSW und zur Elisabeth-Knipping-Schule nicht ganz so scheiße dran, also bei uns regnet`s zumindest nicht rein.

Aber trotzdem sind unsere Toiletten sanierungsbedürftig. Trotzdem ist die Technik an unserer Schule veraltet. Und trotzdem haben wir eine Heizung, die von uns Schülern nicht angestellt werden kann. Und es kann einfach nicht sein, dass so was dann noch zu einer der „besser ausgestatteten Schulen“ zählt.

Wir wollen, dass die Schule zu einem Ort wird, an dem man gut lernen kann. Aber die Abgeordneten im Rathaus scheinen sich im Moment nicht für die Anliegen von uns Jugendlichen zu interessieren.Wir wollen, dass unsere Bedürfnisse in der Politik berücksichtigt werden!

Deswegen (sitzen/)stehen wir heute hier für alle Kasseler Schulen und fordern: Mehr Geld für Bildung!

In Kassel hat sich ein Bündnis gegründet, um zu erreichen, dass im nächsten Haushaltsplan mehr Geld für Bildung vorgesehen wird. Das erreicht man aber nicht durch Diskussionen mit Politikern, sondern nur durch öffentlichen Druck. Eine dieser Aktionen war die Kundgebung „Bildung am Boden“ vor dem Rathaus mit mehr als 70 teilnehmenden Schülern.

Ein Redebeitrag der Kundgebung  ist nachfolgend dokumentiert:

  1. Vanessa vom  Bildungsbündnis:
    Liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Azubis, liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter

    mein Name ist Vanessa und ich begrüße Euch alle im Namen des Bündnisses Unsere-Zukuft-Erkämpfen auf der heutigen Kundgebung „Bildung am Boden“. Symbolisch haben wir uns hier auf dem Boden versammelt, denn die Bildung ist am Boden, weil seit Jahren immer mehr Gelder für Schulen und Bildung eingespart werden.

    Das Bündnis aus Schülerinnen und Schülern, SV-VertreterInnen, politischen Jugendverbänden sowie der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft und Gewerkschaftsjugenden, hat sich gegründet, weil in den Kassler Schulen und Berufsschulen seit Jahren die dringend nötigen Gelder von der Stadt fehlen um zu sanieren und modernisieren.

    Mittlerweile sprechen wir von einem Sanierungsstau von 144 Millionen Euro. Wir sprechen von Löchern in den Decken, Löchern in den Wänden, von veralteten Unterrichtsmaterialien und unsicheren Gasleitungen in den Naturwissenschaftlichen Fachräumen. Das, was wir – Schülerinnen und Schüler beziehungsweise unsere Eltern jedes Jahr mehr zahlen müssen, für die Anschaffung von  Lernmaterial wir von Jahr zu Jahr mehr. Kann das gerecht sein? Nein! Das hat nichts mehr mit „kostenloser Bildung für alle“ zu tun!

    Es kann nicht sein, dass bei der Bildung und damit der Grundvoraussetzung für unsere Zukunft, die Ausgaben der Stadt auf einem Minimum gehalten werden. Gute Bildung braucht gute Schulen, mit moderner Ausstattung und Räumen in denen man gut und gerne lernt.

    Die heutige Kundgebung soll der Auftakt sein für weitere Aktionen um unserem Anliegen Gehör zu verschaffen!
    Wir werden jetzt ein paar Berichte von Kasseler Schulen hören, in welchen die Zustände miserabel und unverantwortlich sind

    WIR SIND HIER UND WIR SIND LAUT; WEIL MAN UNS DIE BILDUNG RAUBT!

Wenn linke Meinungen kriminalisiert werden

Während bei Nachforschungen über den NSU-Prozess geschlampt wird und die Täter vermutlich in den Reihen des Verfassungsschutzes stehen, ist es für die linke Szene sehr schwer. Heute wie damals steht die Drohung mit dem Berufsverbot für linke Aktivisten und Engagierte im Raum. Linke Zentren werden geschlossen und, dass es Überwachung gegenüber Linken gibt, ist kein Geheimnis.  Es wird auf vielen Wegen versucht, die linke Szene einzuschränken. Doch gerade dann sollten wir uns nicht einschüchtern lassen, sondern für unsere Rechte kämpfen und mit diesen Missständen an die Öffentlichkeit gehen.

Deswegen laden wir, am Montag, den 09. Oktober um 18.00 im DGB Jugendclub (Spohrstr. 6) zu einer Veranstaltung mit drei Betroffenen ein, die aufgrund ihrer politischen Aktivität in den 60ern/70ern Berufsverbote bekamen und sich gegen diese wehrten. Zum Teil werden sie heute noch vom Verfassungsschutz überwacht.

Berichte aus Havanna

Gepostet am 6. September 2017 Kassel Landesverband

Am 18. August fand in Kassel im Phillip-Scheidemann-Haus eine Veranstaltung zu der heutigen Situation auf Kuba statt. Dazu stellte Tobi, Mitglied der SDAJ und Mitgründer des Projektes „proyecto tamara bunke“, das Buch „Kuba im Wandel“ vor. In diesem Buch halten die Teilnehmer des Projektes Eindrücke zu bestimmten Themen Kubas fest. Tobi erzählte uns von dem proyecto tamara bunke, welches Menschen unterschiedlichsten Alters ermöglicht, für ein Semester auf Kuba Marxistische Theorien zu studieren und sich in die Kubanische Gesellschaft zu integrieren. Er las uns aus dem Buch vor und beantwortete die Fragen, welche wir zu Kuba und dem dortigen Realsozialismus hatten. Er erklärte uns wie demokratische Wahlen auf Kuba funktionieren, wie freundlich die Menschen auf Kuba auf Gäste reagieren und wie gut es den KubanerInnen, trotz Wirtschaftsblockade geht. Nach all diesen Eindrücken, welche in kompletten Gegensatz zur westlichen Berichterstattung über Kuba stehen hatten wir alle nur noch den Wunsch sofort nach Kuba auszuwandern. Doch der Kampf für ein besseres Leben braucht uns in Deutschland!

Mehr Infos unter: https://berichteaushavanna.de/

Auf dem diesjährigen Hessentag in Rüsselsheim legt die Bundeswehr wieder 
einen ordentlichen Auftritt hin.In einem eingezäunten Bereich des 
Hessentaggeländes gibt sich die Bundeswehr bei bestem Wetter 
menschlich und volksnah wie eh und je.

Zwischen Infozelten, an denen gut gelaunte Uniformierte stehen, 
gibt es Getränkestände, eine Pommesbude und sogar ein Lagerfeuer, 
an dem Stockbrot gebacken wird. Die meisten Besucher sind Familien, 
hier und da tummeln sich auch ganz kleine Kinder. 
Trotzdem kommt das familienfreundliche Bild einfach nicht auf. 
Warum nicht ist schnell erklärt. Wer fühlt sich schon familiär aufgehoben 
zwischen Panzern, Kriegshubschraubern, Haubitzen, 
bewaffneten Polizist/innen und Soldat/innen?
 Wer fühlt sich familiär aufgehoben von Soldat/innen, die jungen, 
teilweise minderjährigen Menschen Studien- und Ausbildungsplätze 
bei einem Arbeitgeber anbieten, der seine Angestellten in den Tod schickt? 
Wer fühlt sich schon wohl, zwischen denen, die Kriege für die Profite 
der deutschen Banken und Konzerne
 in aller Welt führen und dafür morden?

Wir jedenfalls nicht!! Und deswegen haben wir, die SDAJ HESSEN, 
mit einer klaren Aktion gezeigt, dass die Bundeswehr 
ihre heuchlerische Kriegspropaganda nicht unkommentiert 
in die Welt posaunen kann! 

Mittels einer Panzerbesetzung haben wir
 die Bundeswehr bei ihrem Propagandaauftritt gestört und 
unsere Forderungen lautstark verkündet! Anschließend haben wir uns
 mit circa 50 anderen Menschen an der Antikriegs-Kundgebung auf dem
 Hessentag beteiligt, wo wir mit vielen Menschen ins Gespräch 
gekommen sind, die einerseits unsere Aktion klasse fanden,
 aber vor allem ebenso wenig Bock wie wir auf die Bundeswehr 
haben!

Für uns bleibt klar: Egal, wo die Bundeswehr auftaucht, wir werden auch 
da sein, und unsere Forderungen nach Frieden und echten Perspektiven für 
alle Jugendliche den Heuchlern und Kriegstreibern entgegensetzen -
 auf dem Hessentag, in den Schulen, Messen, Betrieben, Unis und überall!

Unsere Forderungen bleiben daher:
Kein Platz für die Bundeswehr in Schulen, auf Messen, auf dem Hessentag!
Geld für Bildung statt für Militär und Rüstung!
Zivile Ausbildungsplätze für alle!
Stopp aller Bundeswehreinsätze & Rüstungsexporte!

Am 9. bis zum 18. Juni findet der nächste Hessentag in Rüsselsheim bei Frankfurt statt. Wie auf jedem Hessentag wird die Bundeswehr einen riesigen Auftritt haben. Die letzten Jahre hatte die Bundeswehr zwei große Bereiche: ein Festzelt mit Musik und ein Areal, auf dem Panzer, Haubitzen und anderes Kriegsgerät ausgestellt wird, um von Familien bestaunt zu werden. Dazu gehören natürlich Infozelte, in denen Bundeswehrwerbung verbreitet wird.

Wir lassen nicht zu, dass die Bundeswehr mit Kriegspropaganda auf einem großen Familienfest für Kriege wirbt und organisieren gemeinsam mit anderen Organisationen und Jugendlichen Proteste gegen den Bundeswehrauftritt am 10. Juni 2017. Wir fordern, dass die Milliarden statt in Rüstung in die Bildung gesteckt werden und dass jeder Jugendliche ein Recht auf einen zivilen Ausbildungsplatz hat. Wir kämpfen gegen Kriege, die nur für die Profite der Kapitalisten geführt werden. Wir können Kriege verhindern, wenn der gesellschaftliche Protest groß genug ist.

Wir rufen dazu auf, die Bundeswehr zu stören und ihr auf dem Hessentag, auf Messen und in Schulen nicht das Feld zu überlassen.

Wir fordern:

  • Kein Platz für die Bundeswehr in Schulen, auf Messen, auf dem Hessentag!
  • Geld für Bildung statt für Militär und Rüstung!
  • Zivile Ausbildungsplätze für alle!
  • Stopp aller Bundeswehreinsätze & Rüstungsexporte!

Wenn ihr euch an den Protesten beteiligen möchtet, meldet euch unter info@sdaj-hessen.de.

Auch dieses Jahr haben wir uns wieder am 1. Mai, dem internationalen Kampftag der Arbeiterklasse, an der Demonstration des Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) in Gießen beteiligt.

Wir fordern unter anderem die 30-Stunden-Arbeitswoche bei vollem Lohn und Personalausgleich. Warum? Könnt ihr hier nachlesen: http://www.sdaj-netz.de/blog/2017/04/gemeinsam-kaempfen-raus-zum-1-mai/

Das allein löst natürlich noch längst nicht all unsere Probleme. Armut, Ausbeutung und Krieg werden wir so noch nicht los. Aber stellt euch mal vor, die Unternehmen würden den Arbeitern gehören…

Hier nun ein paar Fotos aus Gießen:

Letzte Woche wurde ein Mitglied der SDAJ Gießen auf dem Nachhauseweg von zwei Personen abgepasst. Diese stellten sich als Mitarbeiter des Inlandsgeheimdienst „Verfassungsschutz“ vor. Die Einladung zum Frühstück lehnte unser Mitglied natürlich ab. „Dann wenigstens nen Kaffee?“ – „Nee.“

Bei den VS-Leuten handelte es sich um eine Frau und einen Mann. Die Frau war ziemlich klein, etwas Hippie-mäßig gekleidet und sprach nicht. Der Mann war etwa 1,85 m groß, schlank, hatte kurze, leicht gräuliche Haare und redete als Einziger. Dabei zuckte er im Gesicht und stotterte.

Solche Begegnungen mit dem Verfassungsschutz sind kein Einzelfall, sondern ein gängiges Mittel, um zu versuchen, an interne Informationen über eine Organisation zu kommen oder sich gar Spitzel zu erkaufen. Nicht zuletzt dient der sogenannte „Anquatschversuch“ auch der Einschüchterung – denn wenn zwei Geheimdienstler einem auf der Straße auflauern, heisst das ja auch soviel wie: „Wir haben euch auf dem Schirm, wir wissen wo ihr wohnt und arbeitet.“

Unter anderem wollten die Beamten „Dialog“ im Bezug auf den „Kampf gegen rechts“. Dazu können wir nur sagen: Verarschen könnt ihr euch selbst. Nicht erst seitdem bekannt wurde, dass drei Neonazis des „NSU“, umgeben von „Vertrauensleuten“ des Verfassungsschutz, jahrelang mordend durch Deutschland ziehen konnten, während der Geheimdienst hinter ihnen aufräumte, wissen wir, dass Geheimdienste und gewaltbereite/terroristische Naziorganisationen quasi ein Laden sind. Da war die Aussage des Beamten schon ganz treffend: „Wir haben ja am Samstag eine Demo in Wetzlar.“ Wer weiß schon, wie viele der Faschos, denen wir uns am Samstag in den Weg gestellt haben, V-Leute des Verfassungsschutz sind?
Alles Verschwörungstheorie? Nein! Dazu könnt ihr euch zum Beispiel die Broschüre der SDAJ München anschauen (http://www.sdaj-muenchen.net/infobroschure-der-sdaj-munchen-zum-sogenannten-nsu-als-teil-des-faschistischen-terrors/).

Lange Rede, kurzer Sinn: Auf den Staat und seine Geheimdienste können wir uns im Kampf gegen Faschismus und Rassismus mit Sicherheit nicht verlassen. Im Gegenteil, Antifaschismus beinhaltet für uns notwendiger Weise auch den Kampf gegen diesen Staat. Und wenn uns Beamte des Verfassungsschutz anquatschen, dann ist das keine freundliche Einladung zum „Dialog“, sondern ein Versuch, uns noch weiter zu bespitzeln und uns einzuschüchtern.

Also: Schnauze halten bei Polizei, Justiz und Geheimdiensten!

(Wer mehr über die Bespitzelung durch Polizei und Geheimdienste und was man dagegen tun kann wissen möchte, dem sei die Broschüre „Schöner leben ohne Spitzel“ empfohlen: https://www.antifaschistische-linke.de/PDF/schoener_leben_ohne_spitzel.pdf)

In diesem Jahr nahmen etwa 900 Menschen am Ostermarsch in Kassel teil. Damit ist der Ostermarsch im Vergleich zu den Jahren davor wieder wesentlich größer geworden. Auch wir von der SDAJ Kassel waren gemeinsam mit dem Offenen Schülertreffen gegen Krieg dabei mit „Stop Wars-Transpis“, gebastelten Friedenstauben, der mobilen Raucherecke gegen Krieg und vielen anderen Demo- Accessoires. Die steigenden Teilnehmerzahlen lassen sich aus der verschärften Kriegsgefahr in Europa durch immer stärkere Aufrüstung gegen Russland erklären, dadurch, dass wir das Leid in den Kriegsgebieten durch die Geflüchteten hier direkter mitbekommen und auch, weil immer mehr Geld für Rüstung ausgegeben wird, während für unsere Belange Geld fehlt. Genau das griff die Schülerin Marie-Luise in ihrer Rede auf dem Ostermarsch auf und gab zugleich einen Überblick über Aktionen gegen Krieg in Kassel:

Jedes Jahr geht die Bundeswehr an hunderte Schulen und Schulveranstaltungen, um dort mehr als 150.000 Schüler zu erreichen und ihnen klar zu machen, wie wichtig es wäre, für sein Land zu kämpfen, und dass die Bundeswehr noch so viel mehr zu bieten habe, als nur Soldat zu werden, dass man bei der Bundeswehr mächtig Karriere und viel Geld machen könne und dass die Bundeswehr ein sicherer Arbeitgeber sei, kurz: Die Bundeswehr geht an Schulen, um Werbung für sich zu machen. Oft spielen dann gut ausgebildete Jugendoffiziere das Spiel „Polis“ (Politik und Sicherheit) mit den Schülern, um die Kriege, die Deutschland aktuell führt, zu legitimieren. In diesem Spiel werden Kriege als notwendig dargestellt.

Dass das alles nicht mehr viel mit objektiver Unterrichtsgestaltung zu tun hat und nebenbei gegen den Beutelsbacher Konsens verstößt, wo festgelegt ist, dass der Unterricht nicht einseitig sein darf und somit nicht von Werbung und Militär beeinflusst werden darf, scheint den tollen Arbeitgeber Bundeswehr nicht zu interessieren, genauso wenig , wie der Verstoß gegen das UN-Kinderrecht, Minderjährige für das Militär anzuwerben.

Ich gehe auf die Jakob-Grimm-Schule und meine Schule ist neben der Hegelsbergschule eine der beiden Schulen in Kassel, denen die Bundeswehr dieses Jahr einen Besuch abstattete. Zwar erschien dieser bei der JGS in Form einer Berufsinformationsmesse für Q2 und Q4 noch legitimer, als an der Mittelstufenschule Hegelsbergschule, wo der Beruf Soldat vor 10 bis 16 Jährigen schöngeredet wurde. Trotzdem will ich der Bundeswehr, die auch im Alltag durch riesige Werbeplakate und ihre eigene YouTube-Serie, wo Soldatsein als ein großes Abenteuer dargestellt wird, schon präsent genug ist, nicht auch noch Werbemöglichkeiten an meiner Schule bieten.

Doch der Staat scheut keine Kosten und Mühen, wenn es um das Bewerben der Bundeswehr geht. Generell fließen Unmengen an Geldern in Aufrüstung und Militär, das dann in Schulen und Jugendzentren fehlt. Allein wenn man sich vor Augen führt, dass im Jahr 2016 mehr Geld für die Bundeswehr ausgegeben wurde, als für Bildung und Gesundheit zusammen, sollte man merken, dass hier Prioritäten gesetzt werden, die nicht im Interesse der Bevölkerung sind. Doch anstatt diese Verteilung des Geldes zu ändern, plant der Staat die Rüstungsausgaben in den nächsten Jahren zu verdoppeln. Es ist offensichtlich, dass es nicht im Interesse von uns Jugendlichen ist, wenn das Militär zwar top ausgerüstet ist und neue Panzer gekauft werden, aber Schwimmbäder und Jugendzentren geschlossen und Lehrerstellen gekürzt werden, der öffentliche Nahverkehr immer schlechter und teurer (wie in der aktuellen Liniennetz-Reform) und an der Bildung gespart wird.

Wir müssen immer mehr Bücher und Schulmaterial selbst bezahlen. Dazu kommen zusätzlich die oft sauteuren Fahrkarten und Extra-Ausgaben wie für Kopiergeld. Wir haben ausgerechnet, dass sich die Kosten, die man jährlich für Lernmaterial, Fahrkarte, Schulessen und Klassenfahrten ausgeben muss, auf etwa 1400 € pro Schüler belaufen, und bei diesem Beispiel sind eventueller Nachhilfeunterricht und Fahrkarten für längere Strecken noch nicht mit einberechnet.
Es herrscht krasser Lehrermangel, wodurch immer Kursangebote in der Oberstufe wegfallen, von veraltetem Lehrmaterial und schlecht ausgestatteten Unterrichtsräumen ganz zu schweigen. Kein Wunder, in allen hessischen Großstädten fehlen jeweils hunderte Millionen Euro für die Sanierung von Schulen. Das sieht man auch in Kassel: Die Naturwissenschaftsräume der Offenen Schule Waldau wurden seit 46 Jahren nicht mehr saniert, was vor allem durch die veralteten Gashähne für die Schüler gefährlich werden kann. Dieser inakzeptable Zustand ist das beste Beispiel für die absurden Prioritäten bei den Ausgaben des Staates.

Um diesen ungerechten und gegen unsere Interessen gerichteten Bedingungen entgegenzuwirken und bessere Konditionen für uns Schüler schaffen zu können, haben wir in Kassel ein offenes Schülertreffen gegründet. Unter dem Motto „Hoch mit der Bildung, runter mit der Rüstung!“ und im Sinne des Friedens schaffen wir Bewusstsein unter unseren Mitschülern und machen gemeinsame Aktionen gegen das penetrante Auftreten der Bundeswehr und die massive Unterfinanzierung im Bildungsbereich.

Vor zwei Wochen erst haben wir eine Veranstaltung mit geflüchteten Jugendlichen aus Afghanistan gemacht, mit denen wir über die Flucht und ihr jetziges Leben in Deutschland geredet haben.

Am 1. September haben wir den Kasseler Rüstungskonzern Krauss- Maffei Wegmann mit einem Straßentheaterstück geoutet. Krauss- Maffei Wegmann liefert Waffen an Saudi Arabien, die an den IS weitergeleitet werden, was allgemein bekannt ist. Aber anscheinend ist dem Kasseler Unternehmen egal, wo die Waffen landen, solange Profit gemacht werden kann.

Auch gegen die Bundeswehr direkt haben wir schon Aktionen unternommen, letzten Mai haben wir auf der Vocatium-Berufsmesse ein Die-In vor dem Bundeswehrstand durchgeführt. Nachdem wir dann von den Security-Leuten rausgeschmissen wurden, haben wir vor den Messehallen weiter Flyer verteilt und uns mit den Schülern unterhalten. Auch als die Bundeswehr an der Jakob-Grimm-Schule war, haben wir vor der Schule einen Infostand organisiert und Flyer verteilt, um mit den Schülern ins Gespräch zu kommen.

Zudem organisieren Schüler des offenen Treffens eine Unterrichtseinheit zum Thema „Krieg und Bundeswehr“ an der Offenen Schule Waldau in der SV. An dieser Schule ist auch ein Aktionstag gegen die Situation der NAWI-Räume geplant. Dabei muss deutlich gemacht werden, dass beides direkt zusammenhängt, viel Geld für die Rüstung bedeutet in dem Fall eben zu wenig Geld für Bildung.

Die aktuellen Kriege sind weder in unserem Interesse noch im Interesse des Friedens oder einer besseren Welt. Die hunderttausenden Geflüchteten sind ein Resultat von Deutschlands Kriegspolitik und machen deutlich, dass die Deutsche Bundeswehr die Lage in den momentanen Kriegsgebieten drastisch verschlechtert, anstatt der dort lebenden Bevölkerung behilflich zu sein. Denn hinter den Kriegen, an denen die BRD momentan beteiligt ist, steckt nicht etwa der Wunsch, den Syrern ein besseres Leben zu ermöglichen, sondern klare wirtschaftliche Interessen. Der gesamte Krieg dort findet statt, weil Deutschland und andere NATO-Staaten Interesse an wirtschaftlichem Einfluss und direkten Rohstoffquellen in Syrien haben.

Während die Bundeswehr dort gegen den „Menschenrechte verachtenden“ Diktator Assad kämpft, werden Partnerschaften mit anderen reaktionäreren Ländern wie Saudi-Arabien eingegangen, wo Frauenrechte und Demokratie so gut wie gar nicht vorhanden sind und inoffiziell Terrororganisationen wie der IS oder die Al-Nusra Front mit Waffenlieferungen unterstützt werden. Der Kampf für Demokratie gegen Assad ist also nichts als Heuchelei, es geht darum, dass Assad nicht nach den wirtschaftlichen Interessen des Westens gehandelt hat. Erst durch die Destabilisierung des Landes, die mit der Kriegspolitik und dem versuchten Regime Change in der ganzen Region einherging, konnten sich solche Terrororganisationen entwickeln. Der Kampf der BRD und der USA richtet sich klar gegen die syrische Regierung, um wirtschaftlichen Einfluss zu gewinnen und Russland diesen zu verwehren, es geht eben nicht primär gegen den IS, mehr noch, teilweise wird sich im gegen Assad sogar mit bewaffneten islamistischen Gruppen verbündet. Die Bundeswehr nützt also niemandem außer den deutschen Konzernen.

Solch eine Politik, die Profite über Menschenleben stellt und durch den Staat dafür sorgt, dass kein Geld für die Bedürfnisse und Belange von Jugendlichen da ist, kann nicht in unserem Sinne sein. Wir fordern den Stopp aller Auslandseinsätze und Rüstungsexporte, außerdem ausreichend Geld für Gesundheit und Bildung, Kultur und Freizeitmöglichkeiten im Interesse der arbeitenden Bevölkerung!
Dafür müssen wir alle selbst aktiv werden, in Gewerkschaften, Schülervertretungen und überall, wo wir der Kriegspolitik etwas entgegen setzen können.