SDAJ Kassel: Wer bist Du?
Silvi: Mein Name ist Silvia Gingold. Ich bin Lehrerin im (Un)Ruhestand und habe in meiner aktiven Lehrertätigkeit Französisch und Gesellschaftslehre an einer Gesamtschule in Nordhessen, in Spangenberg, unterrichtet.

SDAJ Kassel: Woher kennt man Dich?
Silvi: Auf meine „Berühmtheit“ hätte ich gerne verzichtet. Ich stamme aus einer kommunistischen Familie mit jüdischen Wurzeln. Meine Großeltern mussten mit der 8-köpfigen Familie vor den Nazis 1933 nach Paris fliehen. Mein Vater,Peter Gingold, geriet 1942 während seiner Widerstandstätigkeit gegen den Hitler-Faschismus in Frankreich in die Fänge der Gestapo, wurde inhaftiert und schwer gefoltert. Ihm gelang eine spektakuläre Flucht. Die Hoffnung meiner Eltern, mit der Verfolgung sei es nun endgültig vorbei, als sie nach Kriegsende 1945 nach Frankfurt zurückkehrten, hatte sich zerschlagen: 1956 wurde die Kommunistische Partei Deutschlands(KPD) verboten, unsere Wohnung wurde polizeilich durchsucht, meine Eltern mussten erneut ihre politische Tätigkeit in der Illegalität fortsetzen. Dann, in den 70er Jahren, bekam ich Berufsverbot als Lehrerin. Nach 4jähriger Lehrtätigkeit wurde ich 1975 aus dem hessischen Schuldienst entlassen. Grundlage hierfür waren „Erkenntnisse“ des „Verfassungsschutz“, die dieses Amt seit meinem 17.Lebensjahr über mich gesammelt hatte und die beispielsweise meine Teilnahme an Demonstrationen gegen den Krieg in Vietnam, gegen Notstandsgesetze und Neonazis sowie Reisen in die DDR beinhalteten. Tausende Beschäftigte im und BewerberInnen für den öffentlichen Dienst, die sich in marxistischen Organisationen, in Friedensgruppen, antikapitalistisch, antifaschistisch, gewerkschaftlich engagierten, wurden auf der Grundlage des 1972 verabschiedeten „Radikalenerlasses“ überprüft und teilweise aus dem öffentlichen Dienst entlassen bzw. nicht eingestellt. Der Druck durch eine breite Protest- und Solidaritätsbewegung gegen die Berufsverbote führte später dazu, dass sowohl ich als auch andere vom Berufsverbot Betroffenen wieder eingestellt werden mussten.

SDAJ Kassel: Diesen Sommer hat der hessische Landtag sein Verfassungsschutzgesetz überarbeitet. Es beinhaltet unter anderem eine umstrittene Extremismusklausel. Inwiefern hältst Du diese für problematisch?

Silvi: Die Neufassung des hessischen Verfassungsschutzgesetzes bedeutet eine Ausweitung der Befugnisse und Mittel des Inlandsgeheimdienstes und damit die Einschränkung demokratischer Rechte und Freiheiten von Bürgerinnen und Bürgern. „Zum Schutz der freiheitlichen demokratischen Grundordnung“ soll z.B. die „Überprüfung der Verfassungstreue von Personen, die sich um Einstellung in den öffentlichen Dienst bewerben“, stattfinden, sollen MitarbeiterInnen von geförderten Demokratieprojekten in eine „sicherheitsbehördliche Überprüfung“ einwilligen. Das bedeutet, dass beim „Verfassungsschutz“ Auskünfte über ihre Verfassungstreue eingeholt werden.  Dass von diesen Maßnahmen gegen „extremistische Bestrebungen“ in erster Linie Bürgerinnen und Bürger betroffen sind, die sich antifaschistisch und antikapitalistisch engagieren, zeigt schon die bisherige Praxis. Marxistische und antifaschistische Organisationen wie die DKP und die VVN – bda (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund Deutscher Antifaschisten) werden vom „Verfassungsschutz“ überwacht. Der Inlandsgeheimdienst, der sich „Verfassungsschutz“ nennt, schützt nicht die Verfassung. Er hat im Gegenteil die rechtsterroristischen NSU-Morde nicht nur nicht verhindern können, sondern ist durch sein V-Leute-System tief darin verstrickt und behindert deren Aufklärung.

SDAJ Kassel: Was heißt das für Menschen wie Dich, die diese Gesellschaft grundlegend verändern wollen?

Silvi: Ich bin immer noch oder wieder im Visier des „Verfassungsschutzes“ und führe deshalb eine Klage gegen dieses Amt in Hessen. Nachdem ich vor einigen Jahren dort angefragt hatte, welche Daten über mich gesammelt sind, wurde mir mitgeteilt, dass ich im Bereich „Linksextremismus“ gespeichert sei. Man wirft mir vor, dass ich Lesungen aus der Biographie meines Vaters bei „linksextremistischen“ Organisationen u.a. der SDAJ durchführe, mich an Aktionen des Kasseler Friedensforums gegen die Bundeswehr sowie zahlreichen antifaschistischen Aktionen der VVN beteilige.  Das Verwaltungsgericht Kassel, vor dem ich geklagt hatte, hält meine Beobachtung durch den Verfassungsschutz für rechtmäßig. Dieses skandalöse Urteil werde ich nicht akzeptieren und weiter klagen.

SDAJ Kassel: Wirst Du Dich deswegen in Zukunft in Deiner politischen Arbeit einschränken lassen?

Silvi: Ganz im Gegenteil: Die Erfahrungen meiner Eltern, die immer gegen Unrecht, Ausgrenzung und soziale Ungleichheit gekämpft haben und dabei sogar ihr Leben riskierten, haben mich geprägt. Im Kampf gegen mein Berufsverbot habe ich die Erfahrung gemacht, dass es wichtig ist, offensiv für das in der Verfassung garantierte Grundrecht auf freie Meinungsäußerung einzutreten. Der einzige Schutz gegen Willkür und Unrecht des politischen Machtapparates ist die Öffentlichkeit. Viele Menschen haben sich über die Praxis des Verfassungsschutzes empört und sich mit mir solidarisiert. Nur so gelingt es, ein Bewusstsein für Unrecht zu schaffen und Menschen zu bewegen, Druck auszuüben, damit sich die Verhältnisse ändern.

Der hessische Finanzminister hat angekündigt, die vorausgesagten Steuermehreinnehmen in Höhe von 660 Millionen zu verwenden, um Schulden abzubezahlen. Und das, obwohl zum Beispiel die Bildung in Hessen dramatisch unterfinanziert ist und immer mehr Schwimmbäder und Jugendzentren geschlossen werden, Stellen im öffentlichen Dienst gestrichen werden und der öffentliche Nahverkehr immer schlechter und immer teurer wird. Natürlich kann sparen und das Abbezahlen von Schulden als Privatperson sinnvoll sein, wenn man nur ein begrenztes Einkommen hat. Mit dem Staat sieht die Sache aber etwas anders aus. Der Staat ist nicht gezwungen, zu wenig Geld für unsere Bildung auszugeben. Wenn das Abbezahlen von Schulden für die Politik so einen hohen Stellenwert hat, dann könnte man als Land Hessen zum Beispiel auch die Leute stärker besteuern, die es haben. Zum Beispiel geht die Erbschaftssteuer an die Länder . Unternehmerfamilien schieben sich den Reichtum von Generation zu Generation zu und werden immer reicher, obwohl dieses Geld an unseren Schulen fehlt. Oder aber, es wird massig Geld in den Verfassungsschutz in Hessen gepumpt, um Menschen zu überwachen und einzuschüchtern, die sich aktiv gegen diese unsoziale Politik einsetzen. Grund, um sich gegen diese katastrophale Bildungspolitik im Land Hessen einzusetzen, gibt es genug:

In den kommenden Jahren wird es in Hessen vor allem im Grundschulbereich massiv an LehrerInnen fehlen. Dabei lernt es sich denkbar schlecht und langweilig, wenn man mit 30 Leuten in der Klasse sitzt, denn der Lehrer kann den Unterricht nicht nach den individuellen Interessen und Bedürfnissen der SchülerInnen gestalten.

Die Studie „Prognose der Schülerzahlen und des Lehrkräftebedarfs an allgemeinbildenden Schulen in Hessen bis 2030“ von dem FiBS (Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie, Berlin) besagt, dass die Zahl von SchülerInnen in Hessen und somit der Bedarf an LehrerInnen steigen wird. Bis 2030 soll die Schülerzahl von 630.000 SchülerInnen auf 720.000 SchülerInnen steigen, was laut der Studie zu einem Bedarf an 6.000 LehrerInnen mehr führen wird. Dr. Dieter Dohmen (FiBS): „Der Einstellungsbedarf beträgt unter Berücksichtigung der hohen Zahl vorzeitig ausscheidender Lehrinnen und Lehrer bis zu 26.000.“ Im Schuljahr 2016/2017 sind 900 hessische LehrerInnen vorzeitig in den Ruhestand gegangen, was die schlechten und vor allem stressigen Arbeitsbedingungen an Hessens Schulen deutlich macht. Außerdem werden mehr Lehrer für einen Ausbau des Ganztagsschulsystems benötigt, um die Schule stärker nach dem Rhytmus und den Bedürfnissen der SchülerInnen auszurichten und ungleiche Chancen durch verschiedene soziale Herkunft etwas auszugleichen.

Offizielle Berechnungen des statistischen Landesamtes und der Kultusministerkonferenz kommen zu wesentlich niedrigeren Zahlen, was den Unwillen der herrschenden Politik zeigt, Geld für unsere Bildung in die Hand zu nehmen. Das könnte zum explodieren der ohnehin überlasteten LehrerInnen und überfüllten Klassen führen.

Dieser permanent herrschende und sich weiter verschärfende Lehrermangel führt dazu, dass wenn Lehrer wegen dem hohen Druck häufig erkranken, dieser Unterricht aufgrund von fehlendem Personal nicht vertreten werden kann und der Unterricht entfällt. Was sich erstmal wie ein wahr gewordener Traum für viele SchülerInnen anhört, führt in Wirklichkeit zu viel mehr Stress, weil der Prüfungsstoff für alle Klassen derselbe ist, egal wie viel der Lehrer gefehlt hat. Häufiger Unterrichtsausfall führt des Weiteren dazu, dass SchülerInnen, deren Eltern sie nicht unterstützen können und keine Nachhilfe finanzieren können, noch schlechter abschneiden. Denn diese Kinder und Jugendlichen sind verstärkt darauf angewiesen, dass der Unterricht stattfindet.

Die Landesschülervertretung Hessen hatte am 11. April anhand einer Stichprobe von knapp 100 hessischen Schulen einen Unterrichtsausfall im Umfang von 1.605 Stunden ermittelt. Vertreten wurden hingegen insgesamt nur 1.547 Unterrichtsstunden. Hochgerechnet auf alle 996 weiterführenden Schulen kann ein Unterrichtsausfall in der Höhe von 16.480 Schulstunden pro Tag geschätzt werden.

Ein weiteres, krasses Problem an Hessens Schulen ist der bauliche Zustand. Vor den Sommerferien musste eine Schule in Kassel und eine Schule in Neukirchen wegen Einsturzgefahr geschlossen werden. Es geht hier nicht um Einzelfälle. Die neuen Zahlen der KfW-Studie sind schockierend: In Deutschland fehlen 48 Milliarden € für die Sanierung von Schulen. Während der Staat Schulden abbezahlt, die Reichen nahezu unbesteuert lässt und immer mehr in Rüstung investiert, wird das Geld in der Bildung gebraucht.

Denn:
Die Kosten für den Bundeswehrpanzer Leopard hätten 2.500 neue Sporthallen sein können.
Die Kosten für die Bankenrettung hätten 100 Jahre kostenloses Mittagessen für alle SchülerInnen Hessens sein können
Und die Mehreinnahmen durch Steuern in Hessen hätten etwa 1.500 LehrerInnen für 10 Jahre sein können.
Geld gibt´s genug, Zeit es uns zu holen!

Die Neuerungen zu den Befugnissen der Polizei und des Verfassungsschutzes in Hessen wurden im Gesetzesentwurf ausführlich begründet. Angeblich geht es darum, vor allem Nazis und Terroristen zu bekämpfen. Kann man also sagen, dass diese Neuerungen zwar unsere im Grundgesetz verankerten Rechte einschränken, aber der antifaschistische Zweck und Sicherheit im Allgemeinen in unserem Interesse ist?

Definitiv nein! Denn:

  1. Die Einschränkung von Grundrechten mit Terrorgefahr zu begründen, ist statistisch gesehen Unsinn. In Deutschland sterben im Jahr 500 Menschen an verschluckten Fischgräten, aber 2014-2016 starben 25 Menschen aufgrund von Terroranschlägen. Die Angst ist real also nur zum Teil begründbar, wird aber von Staat und Medien geschürt, um genau solche Verschärfungen wie die aktuellen Neuerungen in Hessen zu rechtfertigen.
  2. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass Terror entsteht, weil Menschen von Krieg und Flucht gezeichnet sind. Diese Kriege sind aber nicht gottgegeben, sondern entstehen, weil der Westen die Regionen, wo Flucht seinen Ursprung hat, jahrzehntelang für seine wirtschaftlichen Interessen destabilisiert hat und den IS aus denselben Gründen finanziell und militärisch unterstützt hat. Also könnte der Terrorismus durch eine andere Außenpolitik Deutschlands eingeschränkt werden.
  3. Als Reaktion auf Terrorismus dem Verfassungsschutz mehr Befugnisse an die Hand zu geben, ist nicht effektiv. Denn im Fall des Terroranschlags auf dem Berliner Breitscheidplatz durch Anis Amri hatte der Verfassungsschutz alle Informationen, um diesen Anschlag zu verhindern. Daraus lässt sich schließen, dass mehr Befugnisse für den Verfassungsschutz nicht mehr Sicherheit vor Terroristen heißen
  4. Der Verfassungsschutz steckt tief in der militant rechten Szene. Das zeigt uns alleine schon die Verstrickung des hessischen Verfassungsschutzes in die NSU-Mordserie. So war der hessische V-Mann Andreas Temme betraut damit, sich dienstlich mit den NSU-Morden zu beschäftigen. Er war „zufällig“ am Tatort als Halit Yozgat im Rahmen der NSU-Mordserie 2006 in Kassel ermordet wurde. Er verließ zur Tatzeit den Tatort, habe aber nach eigener Aussage Halit Yozgat weder lebend noch tot gesehen, was aufgrund der Verhältnisse am Tatort unmöglich zu sein scheint. Außerdem wurden Schmauchspuren einer Munitionsart auf seinen Handschuhen gefunden, die selten verwendet wird, aber bei dem NSU-Mord in Kassel verwendet wurde. Obwohl die Tatwaffe zu dem Zeitpunkt noch nicht bekannt war, erwähnte Temme schon ein paar Tage nach dem Mord, dass dieser mit einer Waffe begangen worden sei, die auch in der bundesweiten Mordserie genutzt wurde.  Ermittlungen gegen ihn sind vom damaligen hessischen Innenminister, Volker Bouffier, systematisch verhindert worden. In den NSU-Aufklärungsprozessen wurde Temme von einem vom hessischen Verfassungsschutz bezahlten Anwalt vertreten und täuschte Erinnerungslücken vor.
  5. Mit den gesetzlichen Neuerungen ist eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit des Verfassungsschutzes gegen Extremismus geplant. Wenn die Überwachungsbehörde gleichzeitig zur Propagandabehörde wird, ist dies eine undemokratische Machtkonzentration. Wie das konkret aussehen kann, zeigen andere Landesämter für Verfassungsschutz. So zum Beispiel die Andi-Comics und Andi-Videos vom Verfassungsschutz in NRW, welche sich vor allem an Schüler richten sowie an Erwachsene, die mit Jugendlichen arbeiten. Dabei handelt ein Comic davon, dass Andi seinen Kumpel davon abhalten will, in die linksradikale Szene abzurutschen. Linke werden für verrückt und undemokratisch erklärt und mit militanten Nazis gleichgesetzt. Die wissenschaftlich widerlegte Extremismustheorie wird angewendet. Die Zahl von Schulbesuchen und Unterrichtsmaterialien des Verfassungsschutzes, zum Beispiel im Rahmen von Projekttagen gegen Extremismus, nimmt bundesweit erkennbar zu.

Während gewaltbereite Nazis beim Verfassungsschutz angestellt und von ihm finanziert und gedeckt werden (wie bei Andreas Temme und Anderen der Fall), werden Linke verfolgt, überwacht und kriminalisiert. Silvia Gingold ist die Tochter des antifaschistischen Widerstandskämpfers Peter Gingold, der in der Resistance gegen den Hitler-Faschismus kämpfte. Sie ist Gründungsmitglied der SDAJ, ihr ganzes Leben lang war sie aktiv in der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) und in der Friedensbewegung. Sie liest immer noch in Schulen und bei linken, antifaschistischen Organisationen aus dem Buch ihres Vaters und engagiert sich in Vereinen zur Rehabilitierung für die durch den Radikalenerlass von Berufsverboten Betroffenen. Ihr Berufsverbot als Lehrerin wurde durch breiten internationalen Widerstand aufgehoben, aber sie wurde nie verbeamtet und ihr ganzes Leben lang, bis heute, wird sie durch den Verfassungsschutz überwacht und das allein aufgrund der Tatsache, dass sie sich im „linken Spektrum“ bewegt. Besonders problematisch ist in dem Zusammenhang, dass im neuen Verfassungsschutzgesetz wieder steht, dass die Mitgliedschaft in einer extremistisch eingestuften Organisation ausreicht, um selber beobachtet zu werden. Dieser Grundsatz ist verfassungswidrig. Die Mitgliedschaft in einer Organisation ist lediglich eine Form freier Meinungsäußerung. Es sollte auch eine freie Entscheidung sein, in welchem Umfeld ich mich bewege. Es muss auf das individuelle Handeln der Personen ankommen. Aber eine Überwachung mit einer Mitgliedschaft in einer bestimmten Organisation, die auch noch legal ist, zu begründen – das ist eindeutig verfassungswidrig. Während Silvia Gingold ihren Prozess verlor und weiterhin überwacht wird, arbeitet der genannte Andreas Temme weiterhin beim Land Hessen und ist für die Pensionsverwaltung der Lehrer im Landkreis Kassel verantwortlich. Das zeigt, dass es bei den erweiterten Befugnissen des hessischen Landesamtes für Verfassungsschutz nicht gegen Terror und Nazis geht, sondern gegen Linke, die  für bessere Lebens-, Bildungs- und Arbeitsbedingungen  aktiv sind und sich Nazis und Demokratieabbau konsequent in den Weg stellen. Ist ja auch klar: Der Verfassungsschutz hat nun mal die Aufgabe, den Staat und seine Verfassung zu schützen – und dazu gehört eben auch, das kapitalistische System zu schützen und Alternativen schon im Keim zu ersticken. Die Kontrollbefugnisse von Bevölkerung und Parlament gegenüber dem Verfassungsschutz wurden dabei um keinen Deut erweitert. Weiterhin haben V-Leute und verdeckte Ermittler umfassende Befugnisse, sich Kontrolle und Prozessen aufgrund von Straftaten zu entziehen.

Am letzten Schultag ,dem 22.6.18,  haben wir zusammen mit anderen politischen Jugendorganisationen und Leuten vom Schulstreikbündnis in Kassel gegen Abschiebung von Geflüchteten demonstriert. Teilgenommen haben ca. 70 Schüler/innen und Student/innen, die mit Sprüchen wie: „Abschiebung ist Folter, Abschiebung ist Mord, Bleiberecht für alle, jetzt sofort!“ ihre Meinung zur deutschen Asylpolitik lautstark zum Ausdruck brachten. Mit dieser Demo sollte gezeigt werden, dass auch wir in Kassel der Meinung sind, dass das Abschieben von (teilweise noch minderjährigen) Geflüchteten in unsichere Gebiete und Länder, wie Afghanistan, unmenschlich ist, weil die Menschen dort n täglich mit Tod und Leid konfrontiert sind.

Nachstehend unsere Rede, die wir auf der Demo gehalten haben:

Egal, ob hier geboren oder hierhin geflohen: Jeder Schüler und jede Schülerin leidet unter dem Schulstress, der einen in der Oberstufe schon mal 45 Stunden in der Woche kosten kann. Jeder Schüler und jede Schülerin hat keine Lust in ein ranziges und schimmliges Schulgebäude mit gammeligen Toiletten zu gehen. Jeder Schüler und jede Schülerin will coole und kostenlose Freizeitangebote wie Jugendzentren und Schwimmbäder in ihrer Nähe. Jeder Schüler und jede Schülerin hat keinen Bock auf diesen Unterricht, in dem man still sitzen muss und nur für Noten und Prüfungen statt für sein Leben und nach seinen Interessen lernt. Denn es darf nicht heißen: „Das Boot ist voll.“ Es muss heißen: „Wir sitzen alle im gleichen Boot“ und haben die gleichen Interesse an einer besseren Bildung und einem besseren Leben.

Wenn in Deutschland die 45 reichsten Haushalte so viel wie die ärmere Hälfte der Bevölkerung besitzen, sind nicht die Flüchtlinge schuld daran, dass Geld für bestimmte Dinge fehlt. Geld z.B. für bessere Schulen oder Schwimmbäder lässt sich auch woanders hernehmen. 52 Milliarden für die Bankenrettung hätten für 100 Jahre jeden Tag kostenloses Mittagessen in der Mensa für alle SchülerInnen Hessens sein können. Ähnliche Rechnungen lassen sich auch mit der Unternehmens- oder Vermögenssteuer machen. Oder aber mit Rüstungsausgaben. Von dem Geld für die Leopard-Panzer der Bundeswehr hätte man auch 2.500 Sporthallen bauen können. Gerade, wenn es um das Thema Krieg geht, werden die gemeinsamen Interessen von hier geborenen und hierher Geflohenen Jugendlichen deutlich. Die Bundeswehr sagt selbst, zum Beispiel in ihrem Weißbuch über sich, dass sie im Einsatz für die Gewinne der großen Banken und Konzerne ist. Zum Beispiel deshalb ist die Heimat von vielen Geflüchteten verwüstet und wegen den Rüstungsausgaben des Staates dafür, fehlt Geld für die Belange von den in Deutschland lebenden Jugendlichen. Unser gemeinsames Problem und unser Gegner im Kampf für eine bessere Bildung und ein besseres Leben ist dieser Staat, der Politik im Interesse der Reichen macht. Kämpfe für mehr Geld für Bildung oder gegen die Schließung eines Schwimmbades können wir nur gewinnen, wenn wir uns nicht spalten lassen, sondern uns gemeinsam, unabhängig von unserer Herkunft dafür einsetzen.

Wir haben aber nicht nur die gleichen Probleme, sondern die Geflüchteten sind besonders betroffen von den Problemen in unserem Bildungssystem. Nicht nur, dass Viele, dank unseren Asylgesetzen einen unsicheren Aufenthaltsstatus haben und täglich mit einem Abschiebungsbescheid rechnen müssen oder in ihrem Alltag mit Rassismus konfrontiert sind. Unsere Bildungssystem, was Menschen aussortiert, in dem die Unterstützung, der Bildungsgrad und das Einkommen des Elternhauses eine große Rolle und in dem individuelle Förderung und Forderung wegen zu großen Klassen nicht möglich ist, benachteiligt Geflüchtete besonders. Denn jemand, dessen Eltern kein Deutsch können und aufgrund dessen auch keine guten Jobs annehmen können und deswegen auch keine Nachhilfe bezahlen können, der kriegt von Zuhause keine Unterstützung in der Schule und die braucht es eben in diesem ungerechten Bildungssystem. Daraus ergibt sich, dass 26% aller Hauptschüler in Hessen einen Migrationshintergrund haben, während Menschen mit Migrationshintergrund in Hessen an Gymnasien nur 7% ausmachen.

Wir fordern ein Recht auf gute Bildung für alle ohne aussortieren, Leistungsdruck und Langweile im Unterricht! Mehr Geld für Bildung, damit wir alle besser lernen können! Stoppt die Kriege im Interesse der Wirtschaft! Stoppt die Abschiebungen! Geld für Bildung statt für Rüstung. Denn Geld gibt’s genug, Zeit es uns zu holen.

 

 

Auch regional spiegelt sich die bundesweite Regierungspolitik hier in Kassel wider.

144 Millionen Euro Sanierungsstau für Schulgebäude allein in der Stadt Kassel, sind für uns Schüler und Schülerinnen deutlich spürbar: Kaputte Naturwissenschaftsräume, unbenutzbare Toiletten, teilweise regnet es sogar rein und allgemein viel zu kleine Räume! Und da ist der Lehrermangel noch gar nicht rein gerechnet. Ganz oft ist es spätestens ab der Oberstufe so, dass der Unterricht entfällt, wenn der Lehrer krank ist. Den Stoff muss man dann allein Zuhause nachholen.

Das geht so nicht weiter, haben wir uns in Kassel gedacht und ein Bildungsbündnis ins Leben gerufen, dass sich zunächst durch Gespräche vergeblich an die Stadtregierung gewandt hat, woraufhin wir einen Schulstreik organisiert haben, an dem sich ungefähr 800 SchülerInnen beteiligten. Daran sieht man die Notwendigkeit und die Dringlichkeit, die dieses Thema für Kasseler Schüler hat. Das zeigt sich umso mehr, da vor ein paar Wochen ein Teil der Ernst-Reuter-Schule aufgrund von Einsturzgefahr geschlossen werden musste.

Am 10. April gab es einen Warnstreik von ver.di im öffentlichen Dienst. Busse und Bahnen fuhren nicht, Kitas und Verwaltungen blieben geschlossen. Auch das Pflegepersonal streikte.

Etwa 4000 Menschen sind am Vormittag in Kassel auf die Straße gegangen, um für bessere Arbeitsbedingungen und mehr Lohn und Gehalt zu demonstrieren. Auch in Kassel (z.B. am Klinikum) sind die sinkenden Reallöhne und die steigende Arbeitshetze deutlich spürbar.

Wie im vorherigen Artikel schon erwähnt, dürfen wir uns von der Großen Koalition keine Besserung erhoffen. Wir dürfen nicht nur einfach an die Regierung appellieren. Mit einem Streik ist nicht direkt etwas getan, es ist aber ein Anfang, um Druck auszuüben und die Probleme öffentlich zu machen! Der Protest muss jedoch weitergehen und stärker werden, damit wir unsere Ziele auch erreichen.

Deswegen: Werdet aktiv, egal ob zusammen mit euren Freunden, in der SV, in der Gewerkschaft oder in der SDAJ.

 

Wir fordern:

  • Mindestlohn von 12,- Euro die Stunde!
  • Verkürzung der Arbeitszeit: konsequente Durchsetzung der 35-Stunden Woche bei vollem Lohn- und Personalausgleich. Weitere radikale Arbeitszeitverkürzung: Hin zur 30-Stunden-Woche!
  • Vergabe der Aufträge der Stadt Kassel nur an Unternehmen mit gescheiten Tarifverträgen
  • Mehr Geld in die Bildung, damit baufällige Schulgebäude renoviert und alle Bildungseinrichtungen mit dem neuesten und fortschrittlichsten Lehrmaterial ausgestattet werden! Um das zu bezahlen, könnte man z.B. die Gewerbesteuern für die Unternehmen höher ansetzen.
  • Maximal 20 SchülerInnen bei zwei LehrerInnen pro Klasse!
  • Recht auf Bildungsstreik!

 

Zum Gedenken an den 8.Mai 1945 – den Tag der Befreiung vom Hitlerfaschismus –  und als Aufruf gegen Nazis aktiv zu werden, gibt es jedes Jahr an vielen Orten verschiedene Aktionen. Besonders cool ist das natürlich, wenn nicht nur Antifaschisten an diesen Aktivitäten teilnehmen, sondern auch eigentlich unpolitische Menschen aktiv werden.

Das ist mehreren SVen, in denen auch SDAJler aktiv sind, in Kassel gelungen. An der Jacob-Grimm-Schule gab es eine erfolgreiche Fotoaktion gegen Rassismus und eine Durchsage an diesem Tag. An der Max-Eyth-Schule gab es eine ähnliche Durchsage und am Goethe Gymnasium gab es ein internationales Buffet und eine Flyerverteilung mit dem Durchsagentext. Zu dem gab es eine Flyerverteilung an der Offenen-Schule-Waldau gegen die unsoziale Politik der AFD von der örtlichen SDAJ Gruppe.

Es ist ein richtiger Schritt, dass an Schulen zum Anlass dieses Tages ein Zeichen gegen Rassisten und Faschisten gesetzt wird, wobei natürlich im nächsten Jahr noch viel mehr Schulen und Schüler aktiv werden sollten. Das ist gerade an Schulen dringend notwendig, wie sich an der Wilhelm-Filchner-Schule im Landkreis Kassel zum Beispiel zeigt, wo die Identitäre Bewegung mit Flyern, Stickern und Plakaten seit längerem aktiv ist. Die SV dieser Schule hat Sticker zum Überkleben mit dem Slogan „Hier wurde ein Nazi-Sticker überklebt“ erstellt und auf einer Klassensprechervollversammlung deutlich gemacht, dass eben nicht die Flüchtlinge Schuld an Bildungsunterfinanzierung und anderen Problemen sind, sondern eine ungerechte Reichtumsverteilung und aufgezeigt, dass die Aussagen und Argumente der Identitären Bewegung nicht der Wahrheit entsprechen.

Nachfolgend findet ihr den Durchsagentext der in ähnlicher Form an den Schulen am 8.Mai genutzt wurde:

Heute vor 73 Jahren, am 8. Mai 1945, wurde Deutschland durch die Alliierten und die Sowjetunion vom Hitlerfaschismus befreit. Mit ihrer Politik unterdrückten Sie nicht nur Andersdenkende, sondern verfolgten und töteten diese sogar systematisch. Doch auch in der Schule hatte dieses rassistische Menschenbild drastische Auswirkungen. Das Schulsystem der Nazis war darauf ausgelegt, die NS-Ideologie zu rechtfertigen und sogenannte nicht Arische SchülerInnen und Schüler vom Unterricht auszuschließen und die deutschen Schüler mit starkem Drill einseitig zu erziehen. Ausländische SchülerInnen und Schüler vom Unterricht auszuschließen, das fordern auch heute noch rechte Parteien.

Die AfD fordert außerdem z.B. folgendes: „Die Autorität der Lehrer stärken. Sowohl während des Unterrichts als auch gegen Schulverweigerer ist Unterrichtsdisziplin einzufordern und konsequent durchzusetzen.“  Dass das unseren Unterricht nicht verbessern wird, liegt auf der Hand. Mit solchen Forderungen macht die AfD nicht nur auf sich aufmerksam, sondern verschiebt die politische Mitte nachhaltig nach rechts und macht somit Rassismus wieder salonfähig. An diesem besonderen Tag sollten alle SchülerInnen und Schüler unabhängig von ihrer Herkunft, darüber nachdenken, wie man dem Rechtsruck unter anderem in der Schule gemeinsam entgegenwirken kann.

Trotz des Schulstreiks wurde noch nichts an der momentanen Sparpolitik an Kassels Schulen geändert. Deswegen aufhören mit SV-Arbeit? Nein!

Die vielen Berichte in Zeitungen, Radio und Fernsehen haben uns doch gezeigt, wie viel Aufmerksamkeit politische Aktionen von Schülern und Schülerinnen bekommen. Am besten findet man neue Mitstreiter durch aktive Arbeit an seiner Schule, vor allem in der SV.
Beim Schüler-Aktiven-Treffen tauschen wir uns aus, wie man seine MitschülerInnen zu cooler SV-Arbeit motivieren kann und erarbeiten und gemeinsam ein Vorgehen für nice Aktionen gegen Bildungsunterfinanzierung. Außerdem werden wir noch über Lernstress und Leistungsdruck diskutieren und ein Rollenspiel mit bestimmten Schulsituationen spielen.

Es wäre schön, wenn ihr ein paar Leute(es können auch Leute kommen, die nicht in ihrer SV aktiv sind) von eurer Schule vorbeischickt, damit wir uns austauschen und zusammen überlegen können, was für Projekte wir an Kassels Schulen starten können, vor allem gegen die momentane Sparpolitik im Bildungsbereich.

Wir treffen uns am Sonntag, den 28. Januar um 11 Uhr im Linksparteibüro(Schillerstraße 21). Bringt gute Laune und Ideen mit! 😉

Unsere Bildung ist marode.

Ja, auf der einen Seite unsere Schulgebäude, denn der Sanierungsstau von 144 Millionen Euro an den Kasseler Schulen ist für uns spürbar.

Die Sporthallen sind in einem schlechten Zustand, Naturwissenschaftsräume sind schlecht ausgestattet, die Toiletten sind kaputt und verdreckt, an manchen Schulen gibt es keine Mensa oder Cafeteria, obwohl man oft bis 15 Uhr oder länger in der Schule sein muss und an der OSW und an der Hegelsbergschule hat es dieses Jahr sogar reingeregnet, weil die Dächer kaputt waren.

In Schulgebäuden, wo die Wände anfangen zu schimmeln und es reinregnet, kann man nicht gut lernen!

Trotzdem handelt die Stadt nicht. 2,7 Millionen Euro sind im aktuellen Haushaltsplan für die Sanierung von Kassels Schulen vorgesehen. Kleiner Unterschied zu den 144 Mio. Euro, die man eigentlich bräuchte, um alle Schulen zu sanieren.

Streik in der Schule, Streik in der Fabrik, das ist unsere Antwort auf eure Politik

Aber auch, wenn in unserem Fall die Stadt Kassel für diese krasse Geldsumme von anfälligen Reparaturen verantwortlich ist:

Kaputte Klos, veraltete Technik, und kaputte Dächer sind leider Standard an den Schulen von ganz Deutschland. In fast allen Großstädten der Bundesrepublik müssen Schüler in maroden Gebäuden lernen.

Doch die maroden Gebäude sind nicht das einzige, weswegen die meisten keinen Bock auf Schule haben. Ein großes Problem für uns Schülerinnen und Schüler ist der viel zu hoher Lernstress.

Die Burn-Out Zahlen unter Schülern steigen, fast jeder hat zu wenig Zeit für Hobbys oder Freunde wegen Hausaufgaben, zu langem Unterricht oder weil er Nachhilfe nehmen muss.

Das liegt unter anderem daran, dass viel zu viele Schüler in einer Klasse sitzen. So hat ein Lehrer bei einer Klasse mit 30 Leuten nicht genug Zeit, jedem Schüler zu helfen.

Wer sich den Lernstoff nicht selber beibringen kann und kein Geld für Nachhilfe hat, wird auf einen anderen Schulzweig abgeschoben, anstatt gescheit gefördert zu werden.

Aber jetzt ist doch die Frage: Wie kann es sein, dass ein so reiches Land wie Deutschland dermaßen in der Bildungspolitik versagt?

Uns wird immer gesagt, es sei nicht genug Geld da, um die vielen Probleme unserer Schulen zu lösen. Aber das stimmt nicht. Es wird nur für andere Sachen ausgegeben.

Ein Bereich, in den die Bundesrepublik Deutschland dagegen supergerne investiert, ist zum Beispiel die Rüstung. Allein im Jahr 2016 wurden 35 Milliarden Euro fürs Militär ausgegeben. Das ist mehr, als für Bildung und Gesundheit zusammen!

Doch anstatt diese Ausgabenpolitik mal zu überdenken und mehr Geld für uns Jugendliche zu investieren, soll der Rüstungsetat bis 2024 auf über 60 Milliarden Euro erhöht werden.

Hoch mit der Bildung runter mit der Rüstung

Ein weiterer Bereich, in den der Staat viel Geld steckt, sind die deutschen Konzerne.

Ein gutes Beispiel hierfür ist Siemens. Das Unternehmen erhielt in den letzten 20 Jahren mehr als 1,5 Milliarden Euro Fördermittel aus dem Bundeshaushalt. Mit diesem Geld könnte man allen Schülern in Hessen für 3 Jahre ein kostenloses Mittagessen bezahlen.

Aber auch bei uns in Kassel wird sich ordentlich gegönnt: Eine Rathaussanierung für circa 16 Millionen Euro, einen riesigen Haushaltsüberschuss, also Geld, das die Stadt am Jahresende einnimmt, weil sie weniger ausgegeben hat als geplant, einen Flughafen Kassel Calden, der so gut wie nie benutzt wird, sondern Kassel nur für Unternehmen attraktiver macht. Aber für unsere Schulen ist dann auf einmal kein Geld da.

Der Charakter unseres Schulsystems wird einem schnell klar: Es geht darum, nur so viel Geld für Bildung auszugeben, wie nötig, um uns für den Arbeitsmarkt fit zu machen.

Wir sollen nicht für unser späteres Leben lernen oder nach Spaß oder unseren Interessen. Wir lernen doch nur noch für die Noten, nicht für uns selbst und schon lange nicht mehr mit Spaß!

Nicht nur die Schulgebäude, das komplette Schulsystem ist verdammt marode!

Das alles sind große Probleme, die großen Protest erfordern. Um in ganz Deutschland wirklich was zu verbessern, bräuchten wir einen bundesweiten Protest.

Aber wir sollten mit dem anfangen, was wir hier ändern können: Streiken für die Sanierung der viel zu kaputten Schulen hier in Kassel. Denn von selber werden die Abgeordneten im Rathaus nicht drauf kommen, an unseren Schulen etwas zu verbessern.

Deswegen ist es so wichtig, dass wir heute hier demonstrieren!

Wir wissen nicht, wie die Haushaltsabstimmung heute ausgeht. Vielleicht wird es für ein paar Schulen etwas mehr Geld geben. Aber klar muss sein: Mit diesem Streik darf unser Protest nicht enden.

Dass wir hier heute stehen, ist schon ein großer Erfolg. Aber um langfristig wirklich was zu ändern, müssen wir auch bei der nächsten Haushaltsabstimmung wieder aktiv werden und mehr Geld für Bildung fordern. Denn außer uns tut es keiner!

Auch in unseren SVen müssen wir aufzeigen, warum Geld für Bildung fehlt, dagegen aktiv werden und Dinge für die Interessen der Schüler machen, z.B. gegen zu viele Hausaufgaben oder gegen zu hohe Kosten für Schulmaterialien.

Das heißt: Der Protest muss weitergehen. Gegen die Milliarden von Euro Bundeswehr und Konzernen und für mehr Geld für Bildung!

1,2,3,4 für bessere Bildung kämpfen wir, 5,6,7,8 mit Sanierungsstau wird Schluss gemacht, 9,10 der Widerstand muss weiter gehen.

Liebe SchülerInnen und Schüler,

Am Montag den 11.12. haben knapp 1000 Schüler in Kassel gegen den Sanierungsstau von 144 Millionen an Kasseler Schulen gestreikt. In dem Haushaltsplan Kassels sind nämlich nur 2,7 Millionen für Kassels Schulen eingeplant (hinzu kommen noch 30 Millionen vom Land). Das ist natürlich zu wenig, wenn man 144 Millionen für die Behebung der Mängel braucht, von einer Weiterentwicklung der Ausstattung der Schulen ganz zu schweigen. Alle großen Medien von ARD bis Spiegel haben über unser Anliegen berichtet. Auch vor dem Streik haben wir schon durch einige Aktionen, Gespräche (mit Politikern), Veranstaltungen und Unterschriftensammlungen deutlich gemacht, dass es mit Kassels Schulen und dieser Bildungspolitik generell nicht so weitergehen kann, wie bisher.
Dass sich etwas in Kassels Schulen ändern muss, ist den meisten Eltern, Schülern und Lehrern klar. Es darf keine Schulen geben, an denen es reinregnet, in denen es Schimmel gibt, Naturwissenschaftsräume ungeeignet für Experimente sind oder Toiletten und Schulgebäude generell in einem unzumutbaren Zustand sind. Hinzu kommen andere Probleme in unserem Bildungssystem, wie dass wir viel zu viel Geld für Schulsachen und Nachhilfe zahlen müssen, es zu wenig Lehrer für gescheite Klassengrößen gibt und Schule nur für den Arbeitsmarkt fit macht und für denselben aussortieren soll, statt dass unsere Interessen gefördert werden und wir mit Spaß für unser Leben lernen.
Bei den vielen vorhandenen Missständen kann man natürlich nicht einfach still sein. Deswegen haben wir am Montag den 11.12. einer breiten Öffentlichkeit gezeigt, dass es so nicht weitergehen kann und wir dagegen aktiv sind. Trotz Unterstützung der Partei Die Linke im Rathaus hatten wir mit unserem Anliegen keinen Erfolg. Das heißt es gab nicht mehr Geld für Bildung als geplant. Ein Erfolg war dieser Streik von der Beteiligung her trotzdem.
Aber warum gibt es nicht mehr Geld für Bildung, wenn doch die Probleme für alle Betroffenen offensichtlich sind?
Wir haben es im Kasseler Rathaus mit einer Regierung zu tun, die auf jeden Fall schon einen Spielraum hätte. Aber ihre Prioritäten liegen bei denen, die mehr Einfluss haben: Zum Beispiel die Konzerne in Kassel. So wurde der Flughafen Kassel Calden mit Geld vollgepumpt, weil es den Standort Kassel für Unternehmen attraktiver macht. Es gäbe auch die Möglichkeit, dass Kassels Konzerne mehr Gewerbesteuer zahlen. Sie profitieren schließlich von gut gebildeten Fachkräften, dann sollen sie doch auch dafür zahlen! Das sind nur zwei Möglichkeiten, wie man uns eine bessere Bildung finanzieren könnte. Aber auch mit dem hohen Überschuss der im Haushalt eingeplant ist, könnte man einige Schulen sanieren. Schließlich handelt es sich hier eindeutig an einigen Schulen um akute Notfälle.
Besonders mies ist aber, dass zum Beispiel Mitglieder der SPD in Kassel behaupten, dass das Schulstreikbündnis von der Partei Die Linke instrumentalisiert wurde. Das weisen wir scharf zurück. Natürlich nehmen wir jede helfende Hand an. Die Linken sind eben die, die am konsequentesten für mehr Geld für Bildung im Rathaus stehen. Die Initiative für das Bündnis kam nicht von der Partei die Linke, sondern von Schülern der SV der OSW und einigen SDAJlern, die selber in ihren SVen aktiv sind .
Aber natürlich sind nicht einfach nur die Kommunalpolitiker in Kassel gemeint. Sie könnten auf jeden Fall mehr Geld für Kassels Schulen ausgeben, aber die Ursachen für dieses insgesamt mangelhafte Schulsystem sind größer. Den Kommunen wird relativ wenig Geld zur Verfügung gestellt. Dafür erhöht dann zum Beispiel der Bundestag bis zum Jahr 2024 die Ausgaben für die Bundeswehr auf 60 Milliarden € und von einer gescheiten Besteuerung der Superreichen und deren Konzerne sind wir weit entfernt. Stattdessen wird dann an unseren Schulen gespart, weniger Lehrer eingestellt, Nahverkehrspreise werden teurer und Jugendzentren werden geschlossen.
Das liegt daran, dass in unserem Land die Leute, die Geld haben, auch die Macht haben. Während sich unsere Macht darauf beschränkt alle paar Jahre ein Kreuz zu machen, wer die Bildungsunterfinanzierung jetzt organisiert, können die Verbände der Großkonzerne Eingaben an den Bundestag machen, Beraterverträge mit Politikern abschließen und zum Teil selber direkt in Ausschüssen von verschiedensten Parteien ihre Interessen durchsetzen. Wenn Beeinflussung auf diesem Weg einmal nicht funktionieren sollte, dann können die Konzerne immer noch sagen: „Dann verlasse ich halt Deutschland und alle werden arbeitslos.!“ So läuft das halt, wenn der Reichtum wenigen gehört und diese frei darüber verfügen können. Das sind tiefgreifende Probleme, die große Veränderungen erfordern.
Obwohl die Ursachen für die Probleme in unserem System begründet liegen, welches nur langfristig abgeschafft werden kann, sollten wir nach diesem Streik nicht aufhören, uns für eine bessere Bildung und unsere Interessen allgemein einzusetzen. Unser Streik war ein guter Anfang, mit dem wir viel Aufmerksamkeit bekommen haben und gezeigt haben, dass die Politiker doch nervös werden, wenn viele Schüler gemeinsam aktiv werden. Wenn wir das nächste Mal noch mehr, noch besser organisiert und besser mit Eltern und Lehrern vernetzt sind, können wir vielleicht bei der Haushaltsverabschiedung im nächsten Jahr Erfolge erringen. Es ist nicht unmöglich. So schaffte es die LSV Hessen vor ein paar Jahren Lehrerstellenkürzungen zu verhindern und die bundesweite Bildungsstreikbewegung von 2009 – 2011 an einigen Orten Bildungsreformen zu verhindern bzw. abzuschaffen, die zu noch mehr Leistungsdruck geführt hätten.
Das Streik-Ende darf nicht das Ende unserer Aktivität bedeuten. Auch bis zum nächsten Streik heißt es: Lasst uns aktiv werden an unseren Schulen und in unseren SVen Aktionen für mehr Geld für Bildung und gegen zu viel Lernstress machen. Sodass das Thema auch bis zum nächsten Streik in der Öffentlichkeit präsent ist und nicht vergessen wird. Auch auf Schulebene kann man kleine Erfolge erzielen. So kann man als SV zum Beispiel die Hausaufgabenregelung in der Schulkonferenz ändern oder Regelungen zur Unterrichtsgestaltung treffen. Auch das verbessert die Situation von uns Schülern und bringt uns in Bewegung. Daneben lohnt es sich natürlich auch Projekttage und Aktionen gegen die miese Bildungspolitik der Stadt um kleinere Belange wie gegen marode Toiletten oder gegen zu hohe Kosten für Lehrmaterialien direkt an den Schulen zu starten.
Auch die SchülerInnen der SDAJ Kassel tauschen sich regelmäßig über die Aktivitäten an ihren Schulen aus und beschäftigen sich mit neuen bildungspolitische Entwicklungen. Auch zu einigen anderen Themen wie Rassismus, Krieg und Flucht sind wir aktiv.
Wenn ihr Interesse habt, mit uns aktiv zu werden, meldet euch unter: sdaj@roteserver.de
Liebe Grüße!
SDAJ Kassel
Wir fordern:
Mehr Geld in die Bildung, damit baufällige Schulgebäude renoviert und alle Bildungseinrichtungen mit dem neuesten und Fortschrittlichsten Lehrmaterial ausgestattet werden!
Weg mit dem gegliederten Schulsystem: Eine Schule für alle!
Maximal 20 SchülerInnen bei zwei LehrerInnen pro Klasse!
Mitbestimmung von SchülerInnen bei Bildungsinhalten und Methoden!
50% Stimmanteil für SchülerInnen auf allen bildungspolitischen Entscheidungsebenen!
Vielfältige Kulturelle und sportliche Freizeitangebote in Schulen!
Kostenlose Bildung für alle!
Abschaffung des Notensystems!
Recht auf Bildungsstreik!

gingold-veranstaltungEs ist ein Freitagabend im November und wir befinden uns im Kulturzentrum „Schlachthof“ in Kassel. Die SDAJ Kassel hat zu einer Veranstaltung mit Silvia Gingold und Ulrich Schneider (Generalsekretär der FIR und Bundessprecher der VVN-BDA) eingeladen. Die knapp 40 Gäste, überwiegend SchülerInnen und junge Auszubildende, sind in einem Halbkreis um die beiden angeordnet. Silvia begrüßt uns und liest abwechselnd mit Ulrich Schneider aus dem Buch ihres Vaters, Peter Gingold.

Peter Gingold war während dem deutschen Faschismus Mitglied des kommunistischen Jugendverbands Deutschlands, musste aber dann nach Frankreich fliehen, wo er bei einer antifaschistischen Zeitung aktiv war. Außerdem war es eine Zeit lang seine Aufgabe z.B. durch Flugblätter, die deutschen Soldaten von der Sinnlosigkeit des Krieges gegen die französischen Brüder zu überzeugen. Durch die Gestapo wurde er gefangen genommen und erlebte schwere Folter, konnte sich aber bei einem spektakulären Fluchtversuch retten. Im August 1944 beteiligte Peter Gingold sich an dem Aufstand zur Befreiung von Paris. Das Ende des zweiten Weltkrieges erlebte er bei Partisanen in Norditalien.

Doch nur, weil der deutsche Faschismus vorbei war, endeten die Repressionen gegen die Familie Gingold nicht. Der Antikommunismus zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der Familie. Dieser Familie wurde zeitweise die deutsche Staatsbürgerschaft, wegen ihrer politischen Tätigkeit entzogen und Silvia Gingold war wegen ihrer politischen Tätigkeit für kommunistische Parteien von einem Berufsverbot bedroht gewesen, welches durch internationale Solidarität verhindert werden konnte.

Ich denke, ich spreche für alle Anwesenden, wenn ich sage, dass keiner erwartet hätte, von einer Lesung so mitgerissen zu werden. Nach Ende der Lesung gibt es noch Fragen und Diskussionsbedarf. Hätte man den Faschismus verhindern können? Wie gefährlich sind rechte Bewegungen heute und wie kann man heute etwas gegen Nazis tun? peter-gingoldDiese Veranstaltung war eine Bereicherung für alle.

Vielen Dank an Silvia und Ulrich für diesen spannenden Abend!