Der hessische Finanzminister hat angekündigt, die vorausgesagten Steuermehreinnehmen in Höhe von 660 Millionen zu verwenden, um Schulden abzubezahlen. Und das, obwohl zum Beispiel die Bildung in Hessen dramatisch unterfinanziert ist und immer mehr Schwimmbäder und Jugendzentren geschlossen werden, Stellen im öffentlichen Dienst gestrichen werden und der öffentliche Nahverkehr immer schlechter und immer teurer wird. Natürlich kann sparen und das Abbezahlen von Schulden als Privatperson sinnvoll sein, wenn man nur ein begrenztes Einkommen hat. Mit dem Staat sieht die Sache aber etwas anders aus. Der Staat ist nicht gezwungen, zu wenig Geld für unsere Bildung auszugeben. Wenn das Abbezahlen von Schulden für die Politik so einen hohen Stellenwert hat, dann könnte man als Land Hessen zum Beispiel auch die Leute stärker besteuern, die es haben. Zum Beispiel geht die Erbschaftssteuer an die Länder . Unternehmerfamilien schieben sich den Reichtum von Generation zu Generation zu und werden immer reicher, obwohl dieses Geld an unseren Schulen fehlt. Oder aber, es wird massig Geld in den Verfassungsschutz in Hessen gepumpt, um Menschen zu überwachen und einzuschüchtern, die sich aktiv gegen diese unsoziale Politik einsetzen. Grund, um sich gegen diese katastrophale Bildungspolitik im Land Hessen einzusetzen, gibt es genug:

In den kommenden Jahren wird es in Hessen vor allem im Grundschulbereich massiv an LehrerInnen fehlen. Dabei lernt es sich denkbar schlecht und langweilig, wenn man mit 30 Leuten in der Klasse sitzt, denn der Lehrer kann den Unterricht nicht nach den individuellen Interessen und Bedürfnissen der SchülerInnen gestalten.

Die Studie „Prognose der Schülerzahlen und des Lehrkräftebedarfs an allgemeinbildenden Schulen in Hessen bis 2030“ von dem FiBS (Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie, Berlin) besagt, dass die Zahl von SchülerInnen in Hessen und somit der Bedarf an LehrerInnen steigen wird. Bis 2030 soll die Schülerzahl von 630.000 SchülerInnen auf 720.000 SchülerInnen steigen, was laut der Studie zu einem Bedarf an 6.000 LehrerInnen mehr führen wird. Dr. Dieter Dohmen (FiBS): „Der Einstellungsbedarf beträgt unter Berücksichtigung der hohen Zahl vorzeitig ausscheidender Lehrinnen und Lehrer bis zu 26.000.“ Im Schuljahr 2016/2017 sind 900 hessische LehrerInnen vorzeitig in den Ruhestand gegangen, was die schlechten und vor allem stressigen Arbeitsbedingungen an Hessens Schulen deutlich macht. Außerdem werden mehr Lehrer für einen Ausbau des Ganztagsschulsystems benötigt, um die Schule stärker nach dem Rhytmus und den Bedürfnissen der SchülerInnen auszurichten und ungleiche Chancen durch verschiedene soziale Herkunft etwas auszugleichen.

Offizielle Berechnungen des statistischen Landesamtes und der Kultusministerkonferenz kommen zu wesentlich niedrigeren Zahlen, was den Unwillen der herrschenden Politik zeigt, Geld für unsere Bildung in die Hand zu nehmen. Das könnte zum explodieren der ohnehin überlasteten LehrerInnen und überfüllten Klassen führen.

Dieser permanent herrschende und sich weiter verschärfende Lehrermangel führt dazu, dass wenn Lehrer wegen dem hohen Druck häufig erkranken, dieser Unterricht aufgrund von fehlendem Personal nicht vertreten werden kann und der Unterricht entfällt. Was sich erstmal wie ein wahr gewordener Traum für viele SchülerInnen anhört, führt in Wirklichkeit zu viel mehr Stress, weil der Prüfungsstoff für alle Klassen derselbe ist, egal wie viel der Lehrer gefehlt hat. Häufiger Unterrichtsausfall führt des Weiteren dazu, dass SchülerInnen, deren Eltern sie nicht unterstützen können und keine Nachhilfe finanzieren können, noch schlechter abschneiden. Denn diese Kinder und Jugendlichen sind verstärkt darauf angewiesen, dass der Unterricht stattfindet.

Die Landesschülervertretung Hessen hatte am 11. April anhand einer Stichprobe von knapp 100 hessischen Schulen einen Unterrichtsausfall im Umfang von 1.605 Stunden ermittelt. Vertreten wurden hingegen insgesamt nur 1.547 Unterrichtsstunden. Hochgerechnet auf alle 996 weiterführenden Schulen kann ein Unterrichtsausfall in der Höhe von 16.480 Schulstunden pro Tag geschätzt werden.

Ein weiteres, krasses Problem an Hessens Schulen ist der bauliche Zustand. Vor den Sommerferien musste eine Schule in Kassel und eine Schule in Neukirchen wegen Einsturzgefahr geschlossen werden. Es geht hier nicht um Einzelfälle. Die neuen Zahlen der KfW-Studie sind schockierend: In Deutschland fehlen 48 Milliarden € für die Sanierung von Schulen. Während der Staat Schulden abbezahlt, die Reichen nahezu unbesteuert lässt und immer mehr in Rüstung investiert, wird das Geld in der Bildung gebraucht.

Denn:
Die Kosten für den Bundeswehrpanzer Leopard hätten 2.500 neue Sporthallen sein können.
Die Kosten für die Bankenrettung hätten 100 Jahre kostenloses Mittagessen für alle SchülerInnen Hessens sein können
Und die Mehreinnahmen durch Steuern in Hessen hätten etwa 1.500 LehrerInnen für 10 Jahre sein können.
Geld gibt´s genug, Zeit es uns zu holen!

Heute findet in Wiesbaden eine Demo der LSV & GEW gegen G8 statt. Wir unterstützen das:

Die momentane Situation ist brisant, der Doppeljahrgang in Hessen und NRW hat Abitur gemacht und wird bald auf den Studien- und Ausbildungsmarkt strömen. Zwei große und bevölkerungsreiche Bundesländer. Nun fehlen, um das Unglück komplett zumachen, nur noch Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein – die Reform zur Schulzeitverkürzung scheint unumkehrbar. Folgen des doppelten Abiturjahrgangs sind vor allem verschärfter Studien- & Ausbildungsplatzmangel, zu wenig Wohnraum und extrem steigender Konkurrenzdruck, durch erhöhte NCs und weiter verschlechterte Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt.

Geld für Bildung statt für Banken und Konzerne!

Und die Vorteile der Schulzeitverkürzung sind auch völlig offensichtlich, jedenfalls für die deutschen Konzerne und ihren Staat: Ein Jahr weniger Schule bedeutet auch ein Jahr weniger, das finanziert werden muss. Die SchülerInnen kommen ein Jahr früher auf den Arbeitsmarkt um dort ihr Arbeitskraft zu verkaufen und den Standort Deutschland international noch konkurrenzfähiger zu machen, schließlich wird in anderen Ländern das Abitur auch nach 12 Jahren gemacht. Die aktuellen Diskussionen um die Rente mit 70 vervollständigen das Bild, unsere Lebensarbeitszeit soll weiter erhöht werden.

G8 – gegen unsere Interessen!

Doch die eigentlichen Betroffenen, die SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen wurden nicht nur nicht in diese Entscheidung mit einbezogen, sondern müssen nun auch die unschönen Nebenwirkungen ertragen.
G8 hat in erster Linie den Leistungsdruck auf die SchülerInnen erhöht. Diese Wirkung bringt einiges mit sich. Durch die verkürzte Schulzeit und die nur unzureichend und an falscher Stelle entschlackten Lehrpläne sinkt die Qualität des Unterrichtes massiv. Inhalte rücken in den Hintergrund, es werden fast nur noch Methoden und Techniken durch Frontalunterricht gelehrt. Und als sei das noch nicht genug, hat sich auch die Wochenstundenzahl der SchülerInnen massiv erhöht. G8-SchülerInnen ist es nahezu nicht möglich Zeit für Freizeit oder ein Privatleben aufzubringen. Die Anmeldungen an Musikschulen und in Sportvereinen sinken rapide. Auslandsaufenthalte während der Schulzeit werden zum Ding der Unmöglichkeit. Auch das Mitwirken in SVen und anderen politischen Jugendorganisationen wird enorm erschwert, die Partizipationsmöglichkeiten der SchülerInnen werden massiv beschnitten und durch G8 de facto zu Nichte gemacht. Gestiegen hingegen ist in Folge des Leistungsdrucks die Zahl der SchülerInnen, die zusätzlich zum Schulunterricht Nachhilfe benötigen. Wer sich die nicht leisten kann, bleibt schnell auf der Strecke. Vor allem Arbeiterkinder haben so schlechtere Chancen in diesem Bildungssystem als ihre Mitschüler aus wohlhabenderen Familien. Und so wird G8 auch zum familiären Problem – übermüdete und überforderte SchülerInnen & verzweifelte Eltern, die versuchen, das aufzufangen, was die Schule nicht schafft. Burnouts sind schon längst nicht mehr nur ein Problem der Erwachsenen.

Gemeinsam für unsere Rechte kämpfen!

Immer wieder bemängeln fortschrittliche Verbände, wie auch die SDAJ oder die LSV Hessen die Selektion im deutschen Schulsystem. G8 dramatisiert diese Situation noch zusätzlich. Nicht alle Schulen haben das Abitur nach 12 Jahren, beispielsweise werden Gesamtschulen und Oberstufenkollegs weiterhin das Abitur nach 13 Schuljahren anbieten. Eine zusätzliche Selektion kommt also zum einen auf durch die Schaffung eines Zwei-Klassen-Abiturs (nach 12 bzw. nach 13 Jahren) zum andern, weil die Durchlässigkeit des Schulsystems sich durch G8 massiv verschlechtert hat. Die Möglichkeit von einer Real- oder Hauptschule auf ein Gymnasium zu wechseln um dort das Abitur zu machen tendiert gegen null.
Mancherorts wird Schulen unter gewissen Umständen angeboten zu G9 zurück zu kehren. Problematisch daran ist zum einen der organisatorische und finanzielle Aufwand, den meist die Schulen selbst bewältigen müssen, und zum anderen das Nachsehen der SchülerInnen beim Suchen nach einem Ausbildungs- oder Studienplatz.
Zu lösen ist das Problem nur durch eine flächendeckende Umstellung auf das 13 jährige Abitur – finanziert durch diejenigen die später am meisten von unserer Ausbildung profitieren, den Banken & Konzernen.

Damit ist G8 auch nicht nur ein schulpolitisches Problem, es geht uns alle etwas an und gemeinsam müssen wir jetzt, wo das Turboabi noch in der öffentlichen Debatte ist, etwas dagegen unternehmen: Schulzeitverkürzung schadet uns allen, ob Abiturientin, Realschüler, Lehrer, oder Mutter. Deswegen: Mach dich stark für deine Interessen – in der SV oder in politischen Organisationen!

 

Wir fordern:

  • Weg mit G8!
  • Gegen Selektion – eine Schule für alle!
  • Ausbildungs- und Studienplatzgarantie!
  • Zeit für eine integrierte SV-Stunde pro Woche!
  • Geld für Bildung statt für Banken und Konzerne!