Kaputte Fenster und Heizungen, unerträgliche Toiletten, Schimmel an Wänden und veraltete Austattung in Sporthalle, Cafeteria und Naturwissenschaftsräumen – genau das ist für viele SchülerInnen der Kasseler Schulen Alltag. Nichte erst seit gestern, sondern seit Jahren, haben die Kasseler Jugendlichen mit unzumutbahren Umständen in ihrem Lernumfeld zu kämpfen. Das zeigt sich beispielsweise darin, dass ein Trakt der Kasseler Paul-Julius-von-Reuter Schule im Sommer 2018 wegen Einsturzgefahr geschlossen werden musste. Als anderes Beispiel kann man die Offene Schule Waldau betrachten: Es gibt Löcher in der Decke,weshalb es zeitweise reingeregnet hat. Fenster, die sich nicht öffnen lassen und welche zu unangenehmer Luft und im Sommer zu erhitzten Klassenzimmern führen. Toiletten, bei denen die Lüftung kaputt ist und Natuwissenschaftsräume, die durch den TÜV gefallen sind, da sie seit den Achtzigern keine Sanierung mehr gesehen haben.

Sollte man uns nicht die bestmögliche Bildung bieten, weil wir die „Zukunft“ sind?

So fühlt man sich nicht, wenn man in dieser unangenehmen, ekelhaften und zum Teil sogar gesundheitsschädlichen Umgebung lernen muss. Doch die Antworten der PolitikerInnen sind alles andere als befriedigend: Es seien nicht genug Handwerker da und man habe nicht genug Geld. Und das, obwohl in 2017 das Kasseler Rathaus für 20 mio Euro grundsaniert wurde. Da fragt man sich, ob sich die Stadtverordnetenversammlung wohl selbst mit Handwerksausrüstung hingestellt hat, wenn es doch keine Handwerker gibt. Als letztes Wort, wurde nur behauptet, dass die Schulen in regelmäßigen Überprüfungen begangen werden und der Zustand wohl noch nicht akut genug sei.

Was sagen wir dazu?

Stellen wir uns einmal vor, wie groß die Empörung wäre, wenn das Rathaus so aussehen würde, wie einige marode Schulen in Kassel. Das Rathaus wurde mit einem Aufwand von Millionen saniert. Natürlich ist das Problem krass. Aber es ist für die Politik nicht akut, weil ihnen die Schülerschaft egal ist. Da wird das Geld lieber für Rüstung ausgegeben. Unternehmen und Konzernchefs sollen möglichst viel Cash machen, statt ordentlich Steuern zu bezahlen. Das Geld ist da. Mit dem jährlichen Gewinn von Volkswagen könnte man alle Schultoiletten in Deutschland sanieren. Auch Handwerker wären da, wenn der Staat sich darum kümmern würde, dass es gescheite Arbeitsbedingungen in den Handwerksbetrieben gibt und Schulen wichtiger wären als Pannen-Projekte wie der Flughafen Kassel-Calden.

Hausaufgaben, Leistungsdruck, Lernstress

Jedoch nicht nur marode Gebäude beeinträchtig SchülerInnen beim Lernen:
Hausaufgaben – ein grausiges Wort für jede/n zweite/n SchülerIn. Das bestätigt die Umfrage der Schülervertretung am Goethe-Gymnasium. Jede/r Dritte sagt, es werde zu viel aufgegeben.
Durch Hausaufgaben und Klausuren fühlen sich SchülerInnen, besonders die in der Oberstufe, sehr gestresst. Sollte man ein anspruchsvolles Hobby haben, hat man meistens sowieso schon das schwierigste Los gezogen. Die Umfrage ergab, dass 52 % der OberstufenschülerInnen aufgrund der Hausaufgaben wenig bis gar keine Freizeit mehr haben. Wenn dann noch eine Freizeitaktivität dazukommt, ist man praktisch gezwungen, irgendwo zu kürzen. Und das, obwohl es ein für Jugendliche gesetzlich festgeschriebenes Recht auf Freizeit gibt.

Auch physische und psychische Beschwerden werden häufig durch Schulstress verursacht. In Klausurenphasen schießt der Kaffeekonsum auf einmal hoch, man hat plötzlich unregelmäßigeres Essverhalten und Kopfschmerzen. Auch Schlafprobleme sind leider nicht selten gesehen.

Der Stress und die daraus folgenden Einschränkungen im Privatleben scheinen von der 5.Klasse bis zur Q-Phase proportional zu steigen. In den oberen Klassen erfährt man meist mehr Druck. Klar, schließlich wird nochmal aussortiert, bevor das Abitur anfängt. LehrerInnen können oft nicht auf alle SchülerInnen individuell eingehen, weil Geld fehlt, um die Klassen kleiner zu machen. Dass die meisten SchülerInnen, die es in überfüllten Klassen mit immer höherem Druck nicht schaffen, die ohne Geld für Nachhilfe, ohne Unterstützung aus dem Elternhaus oder generell aus prekären und ärmeren Verhältnissen sind, wird nicht berücktsichtigt. Über 15% aller SchülerInnen brauchen mindestens oft Hilfe bei ihren Hausaufgaben. Das zeigt, die Ungerechtigkeit, dass man gelitten hat, wenn die Eltern nicht bei den Hausaufgaben helfen können oder keine Nachhilfe bezahlen können.

Warum werden unsere Schulen nicht saniert?

Der Sanierungsstau an deutschen Schulen beträgt 48 Milliarden €. Das reichste deutsche Paar besitzt zusammen 25 Milliarden € und der Rüstungsetat steigt für 2019 auf mehr als 41 Milliarden €. Wie passt das zusammen? Wir leben in einer Gesellschaft, in der die Macht hat, wer das große Geld hat und für deren Interessen und Gewinne wird die Politik gemacht. Eine gute Lernumgebung für uns lohnt sich für die großen Konzerne und ihre Politiker nicht. Die Regierung wird eher alle Schulen verrotten lassen, als die Banken, Konzerne und Superreichen gescheit zu besteuern. Damit das auch so bleibt, bestechen sie die Parteien mit Spendengeldern. Außerdem haben große Konzerne Stiftungen und Lobbyisten, mit denen sie die öffentliche Meinung beeinflussen können, Eingaben an die Politik schreiben und Parlamentarier beraten. Beeinflussungsmöglichkeiten für die Reichen gibt es Unzählige. Es sind auf jeden Fall mehr, als alle paar Jahre mal wählen zu gehen.

Warum müssen wir unter Stress lernen?

Ab der 9. Klasse müssen SchülerInnen im Schnitt 45 Stunden in der Woche für die Schule aufwenden. Zeit für Hobbys und Freunde bleibt da nur wenig und jeder zweite Schüler fühlt sich überfordert. Den Druck gibt es, weil der Schulabschluss und die Noten darüber entscheiden, welche Chancen wir auf den gewünschten Ausbildungs- oder Studienplatz haben. Wenn wir alle ein Recht auf einen gescheiten Ausbildungsplatz oder einen Studienplatz mit einer gesicherten Berufsperspektive hätten, dann wäre der Druck viel geringer. Aber die Großkonzerne haben kein Interesse daran, uns allen eine gute Ausbildung mit gesicherter Berufsperspektive zu ermöglichen, sondern uns möglichst schnell durch Noten vorsortiert auf dem Arbeitsmarkt zu haben, um uns dann möglichst billig für ihre Gewinne arbeiten zu lassen.Der Stundenaufwand für die Schule steigt, weil die Prüfungsanforderungen steigen und sich immer weniger LehrerInnen um immer mehr SchülerInnen kümmern müssen. Deswegen wird der Unterrichtsstoff immer mehr auf die Hausaufgaben und die Nachhilfe abgeschoben, weil der Lehrer wegen immer mehr Inhalten für sehr viele SchülerInnen durchrasen muss und nicht individuell auf die Leute eingehen kann. Das Ergebnis ist, dass SchülerInnen sich abrackern und kaputt machen, aber kurz nach der Klausur nichts mehr wissen. Das ist ziemlich unsinnig, aber es wird so gemacht, weil weniger LehrerInnen und Schulzeitverkürzung auf G8 Einsparungen sind, die dann in die Profite der Großkonzerne gehen. Cooler Nebeneffekt von Noten: Weil wir Angst vor schlechten Noten haben, überlegen wir uns zweimal, ob es sich lohnt den Mund aufzumachen gegen Ungerechtigkeiten in der Schule und dann auch später gegen schlechte Ausbildungsbedingungen im Betrieb.

Warum ist Unterricht langweilig?

Wir alle kennen es: Wir sitzen im Unterricht und schlafen fast ein. Das hat verschiedene Gründe. Wenn es mehr Geld für Bildung geben würde, dann könnte man im Naturwissenschaftsunterricht mehr Experimente machen, mehr praxisorientierte Ausflüge machen und in kleineren Klassen mehr auf die Interessen der einzelnen SchülerInnen eingehen. Ein anderer Grund ist, dass der Unterricht uns vor allem fit machen soll für den Arbeitsmarkt, weil eben die Interessenvertretungsverbände der Großkonzerne öfter mit den Bildungspolitikern an einem Tisch sitzen als zum Beispiel Schülervertretungsstrukturen. Wir wollen aber nicht nur für den Arbeitsmarkt lernen, sondern um zu einem kritisch-denkenden Menschen zu werden, der lebensfähig ist und seine Interessen und Talente herausfinden und weiterentwickeln kann.

Am 6. März stehen die nächsten Kommunalwahlen an. Gewählt werden die Kreis-, Stadt- und Gemeindeparlamente. Aber warum sollten mich die Kommunalwahlen interessieren?
Die Kommunen und Kreise entscheiden über viele Fragen, die uns direkt betreffen: Ob die Preise des Schwimmbads erhöht werden, ob das Jugendzentrum geschlossen wird oder nicht, ob genug Geld für die nächste Sanierung in der Schule zur Verfügung gestellt wird, wie Flüchtlinge vor Ort versorgt werden.

Was wählen?
Doch was sollte man nur wählen? Egal ob SPD, CDU, Grüne, FDP oder Rechtsaußenparteien wie AfD, Republikaner oder NPD, letztlich machen all diese Parteien Politik gegen unsere Interessen. Volker Bouffier (CDU) rechtfertigt den Abbau von 236 Stellen am Gießener Klinikum, die Grünen geben lieber Geld für Prestigeprojekte wie die Landesgartenschau aus statt Geld in Bildung und Gesundheit zu investieren, neben der altbekannten Hetze gegen Flüchtlinge setzt sich die AfD gegen Gewerbesteuererhöhungen ein und will somit lieber bei den Armen sparen. Und: All diese Parteien haben die Schuldenbremse mitgetragen, die letztlich die Krise auf uns SchülerInnen, ArbeiterInnen, Auszubildende, Arbeitslose etc. abwälzt statt bei denen zu sparen, die aus der Krise letztlich noch Profit gezogen haben: Bei den Banken und Konzernen.

Die Situation spitzt sich zu…
Man erzählt uns tagein, tagaus: „Bildung ist die Zukunft“. Aber gerade an Bildung und Sozialausgaben wird immer mehr gespart. In der Schule und Berufsschule, im Ausbildungsbetrieb, im Praktikum oder bei der Bewerbung für eine Lehrstelle: Der Druck auf SchülerInnen, Auszubildende und junge Arbeitende wird ständig größer Seit den letzten Kommunalwahlen wurden etliche Jugendzentren und Schwimmbäder geschlossen, die Preise für den Nahverkehr werden stetig angehoben, wir erleben Stellenabbau im öffentlichen Dienst, der es uns schwer macht, Ausbildungsplätze oder Jobs zu finden. Die aktuelle Politik richtet sich ganz klar gegen die Interessen der Jugendlichen!

Also, was tun?
Wir rufen dazu auf, in den Kommunalwahlen linke Listen oder die DKP (Deutsche Kommunistische Partei) zu wählen. Diese kämpfen in den Parlamenten gegen Kürzungen im Sozial- und Bildungsbereich, die DKP kämpft letztlich auch für eine andere Gesellschaft: Für den Sozialismus. Aber letztlich reicht es nicht, einfach nur sein Kreuz bei einer anderen Partei zu machen, wir rufen dazu auf, selbst aktiv zu werden, sich selbst zu wehren – an der eigenen Schule, im eigenen Betrieb, an der Hochschule, im Stadtteil!Weitere Artikel zum Thema und ein Interview mit einem Kandidaten der DKP sind auf dieser Homepage oder in unserer Kleinzeitung zu den Kommunalwahlen zu finden.dkp

Heute findet in Wiesbaden eine Demo der LSV & GEW gegen G8 statt. Wir unterstützen das:

Die momentane Situation ist brisant, der Doppeljahrgang in Hessen und NRW hat Abitur gemacht und wird bald auf den Studien- und Ausbildungsmarkt strömen. Zwei große und bevölkerungsreiche Bundesländer. Nun fehlen, um das Unglück komplett zumachen, nur noch Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein – die Reform zur Schulzeitverkürzung scheint unumkehrbar. Folgen des doppelten Abiturjahrgangs sind vor allem verschärfter Studien- & Ausbildungsplatzmangel, zu wenig Wohnraum und extrem steigender Konkurrenzdruck, durch erhöhte NCs und weiter verschlechterte Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt.

Geld für Bildung statt für Banken und Konzerne!

Und die Vorteile der Schulzeitverkürzung sind auch völlig offensichtlich, jedenfalls für die deutschen Konzerne und ihren Staat: Ein Jahr weniger Schule bedeutet auch ein Jahr weniger, das finanziert werden muss. Die SchülerInnen kommen ein Jahr früher auf den Arbeitsmarkt um dort ihr Arbeitskraft zu verkaufen und den Standort Deutschland international noch konkurrenzfähiger zu machen, schließlich wird in anderen Ländern das Abitur auch nach 12 Jahren gemacht. Die aktuellen Diskussionen um die Rente mit 70 vervollständigen das Bild, unsere Lebensarbeitszeit soll weiter erhöht werden.

G8 – gegen unsere Interessen!

Doch die eigentlichen Betroffenen, die SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen wurden nicht nur nicht in diese Entscheidung mit einbezogen, sondern müssen nun auch die unschönen Nebenwirkungen ertragen.
G8 hat in erster Linie den Leistungsdruck auf die SchülerInnen erhöht. Diese Wirkung bringt einiges mit sich. Durch die verkürzte Schulzeit und die nur unzureichend und an falscher Stelle entschlackten Lehrpläne sinkt die Qualität des Unterrichtes massiv. Inhalte rücken in den Hintergrund, es werden fast nur noch Methoden und Techniken durch Frontalunterricht gelehrt. Und als sei das noch nicht genug, hat sich auch die Wochenstundenzahl der SchülerInnen massiv erhöht. G8-SchülerInnen ist es nahezu nicht möglich Zeit für Freizeit oder ein Privatleben aufzubringen. Die Anmeldungen an Musikschulen und in Sportvereinen sinken rapide. Auslandsaufenthalte während der Schulzeit werden zum Ding der Unmöglichkeit. Auch das Mitwirken in SVen und anderen politischen Jugendorganisationen wird enorm erschwert, die Partizipationsmöglichkeiten der SchülerInnen werden massiv beschnitten und durch G8 de facto zu Nichte gemacht. Gestiegen hingegen ist in Folge des Leistungsdrucks die Zahl der SchülerInnen, die zusätzlich zum Schulunterricht Nachhilfe benötigen. Wer sich die nicht leisten kann, bleibt schnell auf der Strecke. Vor allem Arbeiterkinder haben so schlechtere Chancen in diesem Bildungssystem als ihre Mitschüler aus wohlhabenderen Familien. Und so wird G8 auch zum familiären Problem – übermüdete und überforderte SchülerInnen & verzweifelte Eltern, die versuchen, das aufzufangen, was die Schule nicht schafft. Burnouts sind schon längst nicht mehr nur ein Problem der Erwachsenen.

Gemeinsam für unsere Rechte kämpfen!

Immer wieder bemängeln fortschrittliche Verbände, wie auch die SDAJ oder die LSV Hessen die Selektion im deutschen Schulsystem. G8 dramatisiert diese Situation noch zusätzlich. Nicht alle Schulen haben das Abitur nach 12 Jahren, beispielsweise werden Gesamtschulen und Oberstufenkollegs weiterhin das Abitur nach 13 Schuljahren anbieten. Eine zusätzliche Selektion kommt also zum einen auf durch die Schaffung eines Zwei-Klassen-Abiturs (nach 12 bzw. nach 13 Jahren) zum andern, weil die Durchlässigkeit des Schulsystems sich durch G8 massiv verschlechtert hat. Die Möglichkeit von einer Real- oder Hauptschule auf ein Gymnasium zu wechseln um dort das Abitur zu machen tendiert gegen null.
Mancherorts wird Schulen unter gewissen Umständen angeboten zu G9 zurück zu kehren. Problematisch daran ist zum einen der organisatorische und finanzielle Aufwand, den meist die Schulen selbst bewältigen müssen, und zum anderen das Nachsehen der SchülerInnen beim Suchen nach einem Ausbildungs- oder Studienplatz.
Zu lösen ist das Problem nur durch eine flächendeckende Umstellung auf das 13 jährige Abitur – finanziert durch diejenigen die später am meisten von unserer Ausbildung profitieren, den Banken & Konzernen.

Damit ist G8 auch nicht nur ein schulpolitisches Problem, es geht uns alle etwas an und gemeinsam müssen wir jetzt, wo das Turboabi noch in der öffentlichen Debatte ist, etwas dagegen unternehmen: Schulzeitverkürzung schadet uns allen, ob Abiturientin, Realschüler, Lehrer, oder Mutter. Deswegen: Mach dich stark für deine Interessen – in der SV oder in politischen Organisationen!

 

Wir fordern:

  • Weg mit G8!
  • Gegen Selektion – eine Schule für alle!
  • Ausbildungs- und Studienplatzgarantie!
  • Zeit für eine integrierte SV-Stunde pro Woche!
  • Geld für Bildung statt für Banken und Konzerne!